Volkskrankheit Depression – Gut zu Wissen!

Depressionen sollen es bis 2020 mit 350 Millionen Menschen weltweit auf Platz 2 der häufigsten Volkskrankheiten geschafft haben. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO waren es im Jahr 2015 rund 322 Millionen Menschen. In Deutschland erkranken aktuell rund 8 %, d.h. 5 Millionen Menschen im Laufe ihres Lebens mindestens einmal an einer Depression.  

Durch den Anstieg der Betroffenenzahl gewinnt die Krankheit an öffentlicher Aufmerksamkeit. Nach dem Gesundheitsbarometer des Robert Koch-Institutes neigen Frauen eher zu depressiven Symptomen als Männer. Junge Erwachsene in Brandenburg und Berlin scheinen am häufigsten betroffen zu sein. Auch gibt es einen Zusammenhang zwischen Bildungsstand und depressiver Symptomatik.

 

Was ist eine Depression?  

Bei einer Depression handelt es sich um eine psychische Erkrankung, die in der breiten Bevölkerung meist unterschätzt wird. Sie kann sich unterschiedlich äußern. Weit verbreitet ist eine gedrückte Stimmung, Antriebslosigkeit, Interessenverlust, Schlafstörungen und Appetitverlust. Die Mehrheit der Betroffenen leidet im Laufe ihrer Erkrankung zusätzlich an Suizidgedanken. Einmal erkannt, kann eine Depression sehr wahrscheinlich geheilt werden.  

Antidepressiva und Johanniskraut als Behandlungsmethode 

Für das Krankheitsbild Depression gibt es unterschiedliche Behandlungsmethoden. Klassisch wird zwischen der Verwendung von Medikamenten und einer Psychotherapie unterschieden. Dazu gibt es aber auch eine Vielzahl an ergänzenden und alternativen Verfahren wie etwa Rehabilitationssport oder Lichttherapien.  

Bei der Verwendung von Medikamenten kommen vor allem Antidepressiva aber auch pflanzliche Arzneimittel wie Johanniskraut infrage. Kognitive Verhaltenstherapien sind die am häufigsten verwendeten Psychotherapien im Fall einer Depression. 

Depression ist eine Krankheit!

Schokolade und Urlaub: Falsche Annahmen über Depressionen 

Schicksalsschläge und Stress werden von Vielen als nachvollziehbare und alleinige Ursache von Depression verstanden. Weitere Vorurteile sind Charakterschwäche oder die Folge einer falschen Lebensführung als Grund für eine Erkrankung. Dabei handelt es sich bei einer Depression um eine reale medizinische Erkrankung mit biologischen und psychosozialen Ursachen. 

Urlaub und Schokolade sollen, laut einer Bevölkerungsumfrage der Deutschen Bahn Stiftung und Deutschen Depressionshilfe, helfen. Genauer gesagt glauben 80 % der Befragten, dass Urlaub hilft und jeder Fünfte denkt, dass Süßigkeiten bei der Bewältigung von Depressionen hilfreich sind.  

Nach den Ergebnissen der Studie sind 70 % der Befragten der Meinung, dass Antidepressiva süchtig machen, wohingegen Betroffene nicht ganz so kritisch sind. Insgesamt wird wird also die Bedeutung von Antidepressiva (und ihre gezielte Wirkung) gegen Depressionen insgesamt unterschätzt.  

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Frühe Diagnose und Ursachen  

Das Knifflige für einen Betroffenen ist es zu erkennen, dass er an einer Depression leidet. Viele denken, dass sie lediglich an einer Befindlichkeitsstörung leiden. Die Ursachen und Ausprägungen von Depressionen sind komplex. Oft treten krisenhafte Ereignisse auf, die zu einer unspezifischen Stressreaktion führen. Dazu kommen dann noch Gleichgewichtsstörungen von Botenstoffen, sogenannte Neurotransmitter, im Gehirn. Auch kann ein Mangel des Signalstoffes Serotonin, das als Glückshormon Bekanntheit gewonnen hat, zu einer Depression führen. Treten Symptome von Schlaf- und Verdauungsstörungen, psychomotorische Unruhe, Schuldgefühle bis hin zu Kopf-, und Gelenkschmerzen in Kombinationen über zwei Wochen auf, sollte ein Arzt aufgesucht werden.  

Sich an einem Tag mal traurig oder abgeschlagen zu fühlen, bedeutet nicht, dass man an einer Depression leidet. 

Jeder 10te hat eine depressive Symptomatik 

Im letzten Gesundheitsmonitoring in Deutschland hat sich das Robert Koch-Institut Berlin mit depressiver Symptomatik bei Erwachsenen in Deutschland beschäftigt. Bei jedem zehnten Deutschen ab dem 18. Lebensjahr besteht demnach eine depressive Symptomatik.  

Frauen neigen eher zu Depressionen als Männer 

Frauen in der Altersgruppe von 18 bis 29 Jahre sind am häufigsten von einer depressiver Symptomatik betroffen. Über alle Altersgruppen hinweg scheinen Frauen eher zu den Betroffenen zu gehören als Männer.  

Bildungsstatus und Depressionen hängen zusammen 

Zwischen Bildungsstatus und Depression gibt es einen deutlichen Zusammenhang. Je geringer der Bildungsstatus, desto höher scheint die Wahrscheinlichkeit zu sein, an Depressionen zu leiden.  

Depressive Symptome in mittelgroßen und großen Städten häufiger 

Der Wohnort scheint ebenfalls eine Rolle bei Depressionen zu spielen. Die Zahlen variieren zwischen den Bundesländern. Am häufigste zeigen Frauen in Berlin und Brandenburg eine entsprechende Symptomatik.  

Stigmatisierung von Depression hat abgenommen 

Heutzutage Denken Menschen mehr über ihre Psyche nach. Geht es uns nicht gut, stellen wird uns Fragen über unsere aktuellen Gewohnheiten und recherchieren gern im Internet nach Fragen und Antworten. Auch reden wir mit Freunden und Bekannte über unsere Sorgen. Allgemein hat die Stigmatisierung von psychischen Problemen abgenommen.  

Vor allem Frauen reden häufiger über ihre Gefühle, tendieren eher zur Reflexion und nehmen häufiger Therapieangebote in Anspruch. Dies kann als Begründung angesehen werden, warum Frauen häufiger an einer depressiven Symptomatik leiden als Männer.  

Kleiner Exkurs: Diagnosekriterien 

Das Krankheitsbild Depression ist komplex. Um eine Unterscheidung zu anderen Krankheitsbildern oder psychischen Verstimmungen zu treffen, gibt es einen Kriterienkatalog, in dem zwischen Haupt- und Zusatzsymptomen unterschieden wird. 

Hauptsymptome 

  • Gedrückte Stimmung 
  • Interessenverlust und Freudlosigkeit
  • Antriebsmangel und erhöhte Ermüdbarkeit 

Zusatzsymptome  

  • Verminderte Konzentration und Aufmerksamkeit
  • Vermindertes Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen
  • Gefühle von Schuld und Wertlosigkeit 
  • Negative und pessimistische Zukunftsperspektiven 
  • Suizidgedanken oder -handlungen 
  • Schlafstörungen 
  • Verminderter Appetit 

Beim Auftreten von mindestens zwei Hauptsymptomen und zwei Zusatzsymptomen über zwei Wochen wird von einer Depression gesprochen. Abhängig von der Anzahl der erfüllten Kriterien wird zwischen einer leichten, mittelschweren und schweren Depression unterschieden. 

Wenn du nach einer Expertenmeinung suchst, empfehlen wir dir, mit einem Arzt Kontakt aufzunehmen. Für eine Diagnose werden häufig genaue Befragungen und Tests, wie der Becks Depression Inventory Test mit 21 Fragen über Zufriedenheit, Gesundheit. Entscheidungsfreudigkeit und Sexualität durchgeführt. Dabei werden indirekt auch verschiedene Hormonsysteme abgefragt.  
 

Was haben wir gelernt? 

Eine Depression ist eine ernsthafte Erkrankung mit einem komplexen Krankheitsbild. Ja, Schicksalsschläge und Stress können zur Entwicklung einer Depression beitragen, sind meist aber nicht die einzigen Ursachen für eine Depression.  

Das frühzeitige Erkennen einer Depression ist besonders wichtig, da Menschen mit einer schweren Depression meist Suizidgedanken haben. Studien belegen, dass jeder 20te gemeldete Suizidversuch tödlich endet. Auch leichte Depressionen können den Alltag stark negativ beeinflussen.  

Wenn nun jeder 10te Deutsche unter einer depressiven Symptomatik leidet, stellt sich die Frage, was das aus unserer Gesellschaft macht.  

Welche gesellschaftlichen Maßnahmen können diesem Trend entgegenwirken? Kann die Digitalisierung der Gesellschaft mit digitaler Medizin helfen oder ist die Digitalisierung und die ständige Erreichbarkeit ein Grund für die Verbreitung von Depressionen? 

 

Hilfe für Betroffene 

https://www.deutsche-depressionshilfe.de/start 

https://www.diskussionsforum-depression.de/ 

https://www.fideo.de/ 


Quellen: 

Deutsche Depressionshilfe  
Berger, Mathias: Psychische Erkrankungen – Klinik und Therapie; Urban & Fischer, 2012 
RKI: https://www.rki.de/DE/Content/Gesundheitsmonitoring/Gesundheitsberichterstattung/GBEDownloadsJ/FactSheets/JoHM_03_2017_Praevalenz_Depressive_Symptomatik.pdf?__blob=publicationFile 
DDH: https://www.deutsche-depressionshilfe.de 
NPIN: https://www.neurologen-und-psychiater-im-netz.org/psychiatrie-psychosomatik-psychotherapie/erkrankungen/depressionen 
WHO: https://www.who.int/news-room/fact-sheets/detail/depression 

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