Physikalische Therapie

Kältetherapie kann positive Auswirkungen auf Depressionen und Angststörungen haben - das wurde kürzlich in der psychiatrischen Abteilung der Universitätsklinik Polen dokumentiert (den Link zur Studie findest Du in den Quellen). 

Neben der Kältetherapie beinhaltet die physikalische Therapie einige weitere Therapieformen wie beispielsweise Massagetherapie, Traktionsbehandlung oder Elektrotherapie. 

Wie Kältetherapie und andere Formen der physikalischen Therapie wirken und wofür sie eingesetzt werden, erfährst Du in diesem Blogbeitrag. 

Was ist physikalische Therapie? 

Als Teilbereich der Physiotherapie wird die physikalische Therapie unter anderem zur Behandlung von Schmerzen, zur Rehabilitation oder zur Verbesserung der Beweglichkeit eingesetzt. Dabei werden äußere Reize wie Wärme, Kälte, Druck, elektrische Impulse oder- Zug angewendet, um eine natürliche körperliche Reaktion hervorzurufen.  

Die genannten Reize, die bei der physikalischen Therapie Anwendung finden, aktivieren Stoffwechselprozesse im Körper und sollen außerdem dazu beitragen Schmerzen zu lindern. Zu den gängigen physikalischen Therapiemethoden gehören zum Beispiel Massagen, Behandlungen mit Strom oder Ultraschall, Bäder und Inhalationen, und Wärme- oder Kältepackungen.  

Wann kann physikalische Therapie helfen? 

Physikalische Therapiemaßnahmen werden häufig eingesetzt, wenn Schmerzen nach Überbelastung, als Folge von Verschleiß, nach Operationen oder nach schweren Verletzungen in Folge von Unfällen auftreten. 

Eine physikalische Therapie kann unter anderem helfen, wenn...: 

  • … die Normalfunktion von Gelenken oder Muskeln wiederhergestellt werden soll. 
  • … anhaltende Schmerzen gelindert werden sollen. 
  • … die Mobilität und die allgemeine körperliche Fitness verbessert werden sollen. 

Wie bereits erkennbar, ist die physikalische Therapie ein sehr komplexes Themengebiet, das wiederum viele Teilgebiete beinhaltet. Aufgrund des großen Umfangs und um dennoch einen tieferen Einblick in eine der Therapieformen zu geben, wird exemplarisch auf die Thermotherapie eingegangen. 

Was ist Thermotherapie? 

Die Thermotherapie beinhaltet zwei weitere Unterkategorien: die Wärme- und die Kältetherapie. Mithilfe des gezielten Einsatzes von Wärme und Kälte können bestimmte Krankheiten oder Verletzungen behandelt werden.  

Wärmetherapie 

Bei der Wärmetherapie handelt es sich um eine Form der Thermotherapie, bei der gezielt Wärmereize gesetzt werden. 

Methoden der Wärmetherapie sind unter anderem: 

  • Infrarottherapie  
  • Sauna, Dampfbad 
  • Ultraschall
  • Schlammpackungen wie z.B. Fango (Schlamm mit Mineralien vulkanischen Ursprungs) 

Wann wird Wärmetherapie eingesetzt? 

Je nach Symptomen der Patient*innen entscheidet Ärzt*innen, welche Form der Wärmetherapie eingesetzt wird. 

Bei folgenden Beschwerden kann Wärmetherapie helfen:  

  • Muskelverspannungen
  • Verschleißbedingte Erkrankungen wie Arthrose oder Bandscheibenvorfall
  • Chronische Gelenkentzündungen (bspw. bei Rheuma)
  • Bauschmerzen bei Reizdarm 

Wirkungsweise 

Die Behandlung mit Wärme kann bei richtiger Anwendung schmerzlindernd wirken. 

Die Durchblutung und der Stoffwechsel werden angeregt. Verkrampfte Muskeln werden gelöst und die Muskelfasern entspannen sich. Erwärmtes Gewebe wird besser mit Blut versorgt und der Sauerstofftransport verläuft deutlich schneller. Nervenbahnen, die blockiert waren, werden wieder freigelegt. 

Vorsicht 

Sind vor der Therapie im Körper Entzündungen aufgetreten, wird oftmals von einer Wärmebehandlung abgeraten. Diese wirkt dann nicht entzündungshemmend, sondern kann ganz im Gegenteil Entzündungen verstärken. 

Auch Diabetiker sollten bei der Wärmebehandlung vorsichtig sein, denn das eigene Empfindungsvermögen wird durch Diabetes vermindert. Daher besteht die Gefahr, dass Verbrennungen bei einer zu heißen Behandlung nicht rechtzeitig erkannt werden.  

Bei manchen Personen können während einer Wärmebehandlung auch Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen, Schwindel oder Übelkeit auftreten. 

Kältetherapie (Kryotherapie) 

Vom griechischen Wort „kryo“ (kalt) abstammend, bezeichnet diese Form der Therapie eine medizinische Behandlung mittels Kälte. Dabei gehört die Kältetherapie ebenfalls zum Bereich der Thermotherapie. Die Behandlung wird durch einen Temperaturunterschied zwischen dem Körper und seiner Umgebung oder einem kalten Objekt praktiziert. Dies hat den Effekt, dass der gesamte Körper oder bestimmte Bereiche nur punktuell abgekühlt werden, weshalb die Kältetherapie in Lokal- und Ganzkörpertherapie unterteilt wird.  

Die zwei bekanntesten Formen der Ganzkörper-Kryotherapie sind:  

  • Kältekammer (etwa -70°C bis -120 °C):  Eine Behandlung in einer Kältekammer dauert maximal drei Minuten, kann aber mehrfach täglich wiederholt werden, da der reine Kälteschmerz nur kurzweilig ist.  
  • Eistauchbad (etwa 1°C bis 12 °C): Dies ist ein mit Eiswürfeln und kaltem Wasser gefülltes Eisbad, in das Patient*innen für mehrere Minuten einsteigen. Danach erfolgt eine Ruhephase in einem vorgewärmten Bett. Dies hat den Effekt, dass die Muskeln entspannen und Entzündungen in den Gelenken abklingen. 

Wann wird Kältetherapie eingesetzt? 

Die Anwendungsgebiete der Kältetherapie sind vielfältig. Bei folgenden Beschwerden wird die Kältetherapie angewendet: 

  • Oberflächliche Hautveränderungen wie z.B. Warzen oder Akne (lokal) 
  • Verletzungen wie Prellungen oder Zerrungen (lokal)
  • Sehnenscheiden- und Schleimbeutelentzündungen (Ganzkörperkryotherapie)
  • Verschleißbedingte Gelenkserkrankungen (Ganzkörperkryotherapie) 

Wirkungsweise 

Die Kryotherapie führt zu einer verminderten Schmerzwahrnehmung. Liegt die Hauttemperatur bei 15 °C oder darunter, wird ein Großteil der Schmerzrezeptoren blockiert. Außerdem wirkt sich die Kältetherapie, wie bereits zu Beginn des Blogbeitrags erwähnt, nachweislich positiv auf den Gefühlszustand aus. Aufgrund der Kälteeinwirkung schüttet der Körper mehr Serotonin (Glückshormon) aus, welches zu einer besseren Stressbewältigung beiträgt. 

Vorsicht  

Eine zu starke, direkte Kältezufuhr kann die Blutgefäße unter der Haut schädigen. Diese verengen sich aufgrund des direkten Kältekontaktes mit der Haut. Empfindliche Hautzellen können bei einem direkten Kontakt mit kalten Objekten ebenfalls irreparabel zerstört werden.  

Der Effekt ist dabei ähnlich wie bei einer Verbrennung. Kälte in Form von Eis und Kühlkompressen sollten daher nie direkt auf der Haut aufliegen, sondern immer mithilfe einer dazwischen liegenden Unterlage abgedeckt sein. Bei der Behandlung in der Kältekammer werden kälteempfindliche Partien wie z.B. Hände, Füße, Gesicht und Ohren abgedeckt. 

Wie viel kostet Dich die Behandlung? 

Die Ganzkörper-Kältetherapie, die in diesem Beitrag als eine von mehreren  Therapieformen der physikalischen Therapie dargestellt wurde, wird ärztlich verschrieben und von Ärzt*innen beaufsichtigt. Eine Wärmebehandlung mit Wärmekissen oder Wärmepflastern kann hingegen meist selbst ausgeführt werden. Andere physikalische Therapieformen, wie beispielsweise die Massagetherapie, werden von ausgebildeten Physiotherapeut*innen praktiziert. Falls Du selbst an einer physikalischen Therapie Interesse hast, findest du hier einige weitere Informationen: 

Die physikalische Therapie wird immer häufiger in den Behandlungsplan von Patient*innen während und nach einem Krankenhausaufenthalt aufgenommen. Eine ambulante Behandlung in einer Physiotherapie-Praxis ist sowohl mit einem ärztlichen Rezept als auch auf Selbstzahler-Basis möglich. Liegt ein Rezept vor, werden die Kosten für eine ärztlich angeordnete Thermotherapie von der gesetzlichen Krankenkasse übernommen. Meist beinhaltet das Rezept bis zu sechs Einheiten mit jeweils 15-20 Minuten.  

Dennoch ist man als Patient*in nicht vollständig von den Kosten befreit. Die Rezeptgebühr in Höhe von 10 Euro pro Überweisung sowie die Höhe der Zuzahlung zur Physiotherapie richtet sich nach den Kosten der verwendeten Heilmittel. Die Zuzahlung zu einer physikalischen Therapiebehandlung muss gesetzlich mindestens 5 Euro betragen, darf den Wert von 10 Euro allerdings nicht überschreiten. Privatversicherte erhalten die Kostenerstattung für eine physikalische Therapie je nach vertraglicher Einigung. 

Bitte beachte, dass alle Informationen für diesen Beitrag sorgfältig recherchiert wurden, jedoch keine fachärztliche Beratung oder Behandlung ersetzen und nicht dazu genutzt werden dürfen, selbst eine Diagnose zu erstellen oder eine Behandlung zu beginnen. Dazu kannst Du ganz einfach online einen Termin für eine Videosprechstunde bei einem Facharzt oder einen persönlichen Arztbesuch in der Praxis Deiner Wahl buchen. 

Quellen: 

Ecker, N. (Stand: 2020, September): Physikalische Therapie [10.06.2021] 
Ganter, D. (Stand: 2019, November): Kryotherapie [13.06.2021] 
Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) (Stand: 2020, Oktober): Physikalische Therapie Erfolg [10.06.2021] 
Köhler, S. (Stand: 2020, Juli): Physikalische Therapie [09.06.2021] 
Leistner, N. (Stand: 2008, Mai): Die Traktionstherapie  [10.06.2021] 
Machetanz, L (Stand: 2019: Juli): Elektrotherapie [09.06.2021] 
Müritz Klinik (Stand: 2021, Juni): Physikalische Therapie [10.06.2021] 
Ramsey, D.(Stand: 2008, Februar): Whole-body cryotherapy [17.06.2021] 
Schulte, K. (Stand: 2016, November): Thermotherapie [13.06.2021]
Schrör, S. (Stand: 2019, Mai): Physikalische Therapie [09.06.2021] 
UKT-Physio (Stand: 2021, Juni): Physikalische Therapie [08.06.2021] 
Universitätsmedizin Berlin Charité (Stand: 2021, Juni): Physikalische und Rehabilitative Medizin [08.06.21] 

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