Macht Schokolade glücklich – und wenn ja, warum?

Sie wirkt anregend und beruhigend, stimmt fröhlich und aphrodisierend, spendet Trost und Geborgenheit. Schokolade macht glücklich und ist sogar gesund. Stimmt alles nicht? Finden wir es heraus!

Es war einmal in Südamerika - wie die Schokolade zu uns kam

Goethe, Schiller, Friedrich der Große und Charles Dickens – sie alle waren große Schokoladenfreunde. Die Geschichte der Schokolade beginnt jedoch schon viel früher, vor mehr als 3000 Jahren. Zu dieser Zeit lebten die Olmeken in Südamerika und waren offenbar die ersten Menschen, die die Kakaobohne angebaut haben. Auch die Mayas und Azteken waren Freunde der schokoladigen Gaumenfreude und glaubten an die aphrodisierende Wirkung von Schokolade, die sie durch Zugabe scharfer Gewürze noch verstärken wollten. Ungefähr ab dem 17. Jahrhundert trat die Kakaobohne dann ihren Siegeszug nach Spanien an und verbreitete sich in den nächsten Jahrhunderten in ganz Europa. Edel und teuer war die Kakaobohne und daher bis zum 18. Jahrhundert nur wenigen Privilegierten vorbehalten, die sie ausschließlich flüssig genossen. Erst im 19. Jahrhundert wurde Schokolade dann in fester Form verspeist. Bis vor ca. 100 Jahren konnte man sie allerdings ausschließlich in Apotheken kaufen, wo sie als Mittel zur Nervenstärkung angeboten wurde.

Seitdem wurde der aufwändige Herstellungsprozess stetig verfeinert. Dass wir heute eine besonders schmelzende Konsistenz genießen können, verdanken wir, wie so oft, dem Zufall. Der sorgte nämlich 1879 dafür, dass der Schweizer Schokoladenhersteller Rodolphe Lindt abends vergaß, seine Rührmaschine auszustellen. Dem ersten Schreck am Morgen folgte die pure Entzückung: das Resultat war eine Schokomasse mit einer nie dagewesenen Cremigkeit. Bis heute ist das Conchieren, also das zum Teil tagelange Kneten und Rühren, wesentlicher Bestandteil der Schokoladenveredelung.

Wer heute Schokolade kauft, hat die Qual der Wahl. So gibt es Schokoladensorten, die fast ausschließlich (bis zu 99 %) aus Kakao bestehen. Milchschokolade enthält dahingegen neben Kakao und Zucker auch Milchpulver. In weißer Schokolade finden wir überhaupt keine dunklen Bestandteile mehr, dafür aber jede Menge Kakaobutter, Milch und Zucker. Egal für welche Sorte man sich schließlich entscheidet, einer Sache darf man sich sicher sein: was sich Schokolade nennen darf und was nicht, ist ganz genau geregelt – in der sogenannten Kakaoverordnung. Sie legt fest, welche Mindestmengen in welcher Schokoladenart enthalten sein müssen - und das nicht nur bei uns in Deutschland. Europaweit herrscht Einigkeit – zumindest, wenn es um Schokolade geht.
So weit – so interessant. Unsere Frage haben wir damit jedoch noch nicht beantwortet: Macht Schokolade glücklich? Um das zu klären, werfen wir nun einmal einen entspannten Blick ins Reich der Biochemie.

Schoki und Chemie: Was steckt drin und warum ist das gut?

Dass die Kakaobohne zu den besonderen Früchten gehört, hat schon der berühmte Naturforscher Alexander von Humboldt erkannt: „Kein zweites Mal hat die Natur eine solche Fülle der wertvollen Nährstoffe auf einem so kleinen Raum zusammengedrängt, wie gerade bei der Kakaobohne.“

In der Tat enthält Schokolade viele Substanzen, deren Wirkungsweise Grund zur Freude bieten – allen voran Dopamin und Tryptophan. Als Glückshormon sorgt Dopamin für erregte Vorfreude und spornt uns an. Die Aminosäure Tryptophan benötigt unser Gehirn, um ein weiteres Glückshormon herzustellen: Serotonin. Gelassene Zufriedenheit, entspanntes Glücklichsein – all das verdanken wir Serotonin. Und damit sind wir noch lange nicht am Ende der Liste der vielversprechenden Inhaltsstoffe von Schokolade. Dank Coffein und Theobromin soll sie anregend und stimmungsaufhellend wirken, Phenetylamin soll bei Liebeskummer und Depression helfen. Auch die gesundheitsfördernde Wirkung der enthaltenen Antioxidantien wird gern und eifrig erforscht. Sie finden sich vor allem in dunkler Schokolade. Hoffnungsvoll vermutet man, dass sie eine Immunreaktion hemmen können. Liegt also eine chronische Entzündung vor, wird sie von Antioxidantien gehemmt. Allerdings auch nur dann. Wo keine Entzündung ist, wird auch keine gehemmt. Ein weiterer Hoffnungsschimmer liegt bei den Flavonolen, den Bitterstoffen also, die ebenfalls vor allem in dunkler Schokolade enthalten sind. Sie weiten die Blutgefäße in unserem Gehirn und verbessern damit die Wahrnehmung. Ob das genügt, um, wie vermutet, Demenz und Schlaganfälle zu vermindern, bleibt abzuwarten.

All das weckt Hoffnung und dient doch nur bedingt als Erklärung. Zwar finden wir diese Stoffe in der Schokolade, das große Aber kommt jedoch in Form der Konzentration – und die ist leider viel zu gering, um gezielt zu wirken. Und selbst wenn die Konzentration ausreichen würde, hätten wir sehr wenig davon – zumindest wenn es um Dopamin und Serotonin geht. Beide lassen sich zwar durchaus mit der Nahrung aufnehmen, sie kommen jedoch leider nicht dort an, wo wir sie zum Glücklichsein benötigen: im Gehirn. Hier kommen nur sehr ausgewählte Substanzen hinein, alle anderen werden direkt an der Blut-Hirn-Schranke abgewiesen – das gilt auch für Dopamin und Serotonin. Beide Neurotransmitter benötigt das Gehirn zwar, um Glücksgefühle zu produzieren, es stellt sie aber lieber selber her.

Schade, schade, Schokolade – aber kein Grund, zur Verzweiflung. Wir haben ja noch unser Tryptophan und das gelangt nicht nur mit der Schokolade in unseren Körper, sondern kommt auch durch die Blut-Hirn-Schranke. Einmal im Gehirn angekommen, kann es dann in Serotonin umgewandelt werden und für glückliche Zufriedenheit sorgen. Besonders viel ist dort allerdings nicht zu finden, darum muss es ständig neu gebildet werden. Wir tun also gut daran, uns ausreichend mit Tryptophan zu versorgen. Selbst produzieren können wir es leider nicht, wir sind halt keine Pflanzen (die können das). Glücklicherweise ist es in vielen Lebensmitteln enthalten, es reicht also, genug davon zu essen.

Sojabohnen, Cashewkerne, Ei und Käse – überall ist Tryptophan enthalten, die Aufnahme mit Schokolade gelingt jedoch besonders gut. Der Grund hierfür liegt im enthaltenen Zucker. Wird der gegessen, beginnt unsere Bauchspeicheldrüse sofort, eifrig Insulin herzustellen. Das wiederum ist das Startsignal für unsere Organe, sich aus den angebotenen Nährstoffen im Blut zu bedienen. Besonders hungrig ist dabei der Skelettmuskel. Beim Zucker greift er gerne zu aber eben nicht nur. Auch Aminosäuren mag er gern, weil er damit seine Proteine aufbauen kann. Zum Glück für unser Tryptophan. Das will zwar unbedingt ins Hirn, befindet sich aber umringt von zahlreichen anderen Stoffen, die auf Einlass warten und so drängen sie sich alle munter vor der Blut-Hirn-Schranke. Je mehr drängelnde Aminosäuren unser Muskel nun verputzt, desto mehr Tryptophan gelangt ins Gehirn und kann dort direkt in Serotonin umgewandelt werden.

Für unser (zufriedenes) Glücksempfinden ist dieser Prozess fundamental. Fehlt es uns, sind Schlafstörungen und Depressionen die möglichen Folgen. Viele Antidepressiva zielen demnach auch auf eine Erhöhung des verfügbaren Serotonins im Gehirn ab – was im besten Fall dazu führt, dass die Patienten sich endlich zufrieden fühlen. Wer jetzt hofft, Depressionen mit Schokolade therapieren zu können, sei jedoch gewarnt. Die Menge des darin enthaltenen Tryptophans ist zu gering, um eine Depression erfolgreich zu behandeln. Ganz im Gegenteil: exzessiver Schokoladenkonsum kann im schlechtesten Fall genau das Gegenteil bewirken. Zu viel Schokolade macht nun leider einfach mal dick und führt nicht selten direkt in die Adipositas. In der Folge stellt sich häufig eine Insulinresistenz ein, d. h. dass die Bauchspeicheldrüse kaum noch Insulin produzieren kann und die Produktion irgendwann gänzlich einstellt. Mit fatalen Folgen für uns, denn wenn kein Insulin mehr da ist, kann es Tryptophan nicht mehr helfen, ins Gehirn zu gelangen. Damit fehlt dem Gehirn die Grundlage zur Serotoninproduktion, was unweigerlich in einen Serotoninmangel mündet. Und dieser führt am Ende zu einer Depression.

Doch nun zurück zum Glück – und damit zur Schokolade. Die Frage, ob die oben beschriebenen Substanzen ihre positiven Wirkungen durch Schokoladen-Verzehr voll entfalten, muss man leider verneinen. Dazu sind die Konzentrationen zu gering und die Hürden zu groß. Gehofft werden darf trotzdem, denn Schokolade ist sehr viel mehr als bloß Chemie. Ihre wohltuende Wirkung liegt offenbar einfach woanders. Wo genau, werden wir nun herausfinden.

Rettet die Erde…Sie ist der einzige Planet auf dem es Schokolade gibt.

Warum macht Schokolade glücklich? Darum!

Wenn wir die Gründe auch nicht in der Biochemie finden können, so spricht doch viel dafür, dass Schokolade und Glück auf wunderbare Art zusammenhängen. „Glück ist Liebe, nichts anderes.“ schrieb Hermann Hesse einst und weist uns damit genau in die richtige Richtung. Es scheinen nämlich vor allem die schönen Erinnerungen und lieben Personen dafür zu sorgen, dass wir uns beim Schoko-Genuss froh und zufrieden fühlen. Omas Tröste-Schoki, der edle Pralinenkasten zu Weihnachten, die riesige Schokoladentorte zum Geburtstag - Schokolade macht uns froh, weil sie mit all diesen besonderen Anlässen eng verbunden ist. Wir freuen uns tagelang auf ein Treffen mit Freunden und wissen dabei alle: „Guten Freunden gibt man ein Küsschen“ und keinen Apfel.
Das hat natürlich auch die Werbe-Industrie schon vor langer Zeit begriffen. So trug zum Welterfolg der Schweizer Schokolade ein entscheidender Faktor bei: Die marketing-strategisch geniale Idee, das bis dahin exotische Produkt Schokolade mit der Alpenwelt zu verbinden. Heimatgefühl pur, für jeden erkennbar in Form der Alpen auf der Verpackung.

Dass Schokolade sehr eng mit Kindheitserinnerungen und Zuhause verbunden ist, kann ich auch an mir sehr gut nachvollziehen. Geboren in der DDR war der Zugang zur „Westschokolade“ sehr begrenzt. War sie verfügbar, wurde sie mit dem Lineal abgemessen und aufgeteilt und entfaltete ihre glücksbringende Wirkung besser als jeder selbstgebackene Schokoladenkuchen – wie groß und lecker der auch sein mochte. 30 Jahre nach dem Mauerfall interessiert mich diese Schokolade nicht weiter, dafür freue ich mich immer ein bisschen darüber, „unsere“ Halloren-Kugeln irgendwo zu entdecken. Nicht, weil sie aus der ältesten Schokoladenfabrik Deutschlands stammen, sondern weil sie Teil meiner Kindheit waren. Mit ihnen verbinde ich nicht nur tolle Kindergeburtstage und üppige Familienfeiern, sondern auch liebe Menschen, die es nicht mehr gibt. Es fällt mir sehr viel leichter, mich nicht ganz so wehmütig an sie zu erinnern, wenn ich dabei eine Halloren-Kugel genieße.

Ein weiterer, Zufriedenheit stiftender Aspekt darf an dieser Stelle nicht fehlen: Die meisten Menschen wollen nicht nur sich selbst belohnen, sondern auch Gutes tun. Spätestens seit „Fridays for Future“ kann niemand mehr das Thema Nachhaltigkeit so einfach ignorieren. „Rettet die Erde…Sie ist der einzige Planet auf dem es Schokolade gibt.“ schreibt die amerikanische Autorin Dianne Castell. Ob wir sie retten können, werden wir sehen. Dass wir es können, glaube ich unbedingt - sogar mit Schokolade. Zumindest, wenn man die richtige Sorte kauft. Dass die Elfenbeinküste zu den Ländern gehört, die die meisten Kakaobohnen anpflanzen, wissen Viele – dass dafür Kinder auf den Plantagen schuften, statt zu spielen und in die Schule zu gehen, auch. Um das zu verhindern, sind glücklicherweise immer mehr Menschen bereit, etwas mehr zu zahlen. Das lässt hoffen. Interessanterweise geht es aber sogar ganz ohne zusätzliche Kosten: mit der „Guten Schokolade“. Sie entstand aus einer Schüler-Initiative aus dem Jahre 2007. Der damals 9-jährige Felix Finkbeiner war der Initiator des „Plant for the planet“- Projekts, das weltweit Bäume pflanzen wollte. Nach nur 3 Jahren hatten die Kinder bereits 1 Millionen Bäume gepflanzt – mit Hilfe ihrer Schokolade. Möglich wurde dies, weil sowohl Produzenten als auch Händler auf ihren Profit verzichten. Und gut ist diese Schokolade nicht nur vor diesem Hintergrund. Aus 25 Schokoladensorten wählte Stiftung Warentest im November 2018 genau diese Schokolade als beste Vollmilchschokolade. Wer das weiß und sich bewusst für den Kauf entscheidet, tut nicht nur Anderen etwas Gutes, sondern auch sich selbst, denn es macht zufrieden, das Richtige zu tun – und hier reicht schon gelegentlich.

Nichts ist wertvoller als ein guter Freund – außer ein Freund mit Schokolade.

Fazit

Macht Schokolade nun glücklich? Wenn Du mich fragst, ja. Zwar liegen die Gründe nicht einfach in Form von Inhaltsstoffen auf der Hand, sondern verstecken sich eher in unserem persönlichen Verhältnis zur Schokolade – und all den schönen Erinnerungen, die wir damit verbinden. Liebe, Geborgenheit, Zuneigung – all das kann Schokolade ausdrücken. „Nichts ist wertvoller als ein guter Freund – außer ein Freund mit Schokolade.“ wusste schon Charles Dickens und ich schließe mich dieser Aussage mit Freuden an. Die Antwort auf die Frage, ob Schokolade auch für Dich ein kleines Stück vom Glück bedeutet, muss ich Dir überlassen und denke dabei wieder an Charles Dickens: „Ich brauch Informationen. Eine Meinung bilde ich mir selbst.“ Wenn Du diese Informationen hier gefunden hast, freut mich das ehrlich.


Quellen: 

IVR Heidelberg, Dr. Petra Schling. (01.08.2016). Molekulare Grundlagen des Glücks. Macht Schokolade wirklich glücklich? [YouTube]. (Zugriff am 09.09.2019).
Pontes, Ulrich (2018, 02. Februar): Neurotransmitter: Botenmoleküle im Gehirn.  [09.09.2019]
NZZ Format. (22.07.2016). Schokolade macht glücklich – Dokumentation von NZZ Format (2005). [YouTube]. (Zugriff am 09.09.2019).
Michael Crowley. (08.06.2017). Schokolade von der Bohne zur Tafel | Wie geht das? | NDR [YouTube]. (Zugriff am 09.09.2019)
Planet Wissen. Stober, Alexandra (2019, 13. September): Schokolade. [15.11.2019]
Universität Bern, Historisches Institut. Dr. Roman Rossfeld. [09.09.2019]
plant for the planet (2010-2019). Stück für Stück Gutes tun. [15.11.2019]
QuoShop. (29.04.2012). Planet Wissen – Schokolade und ihre Geheimnisse [YouTube]. (Zugriff am 09.09.2019).
Stiftung Warentest. (2018, 21. November): Milchschokolade im Test. Viele sind gut, die teuerste ist die schlechteste. [15.11.2019]

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