Ist Honig gesund?

Wunderwaffe Honig?!

Honig genießt einen guten Ruf und wird gern als alternatives Süßungsmittel eingesetzt. Darüber hinaus sagt man dem flüssigen Gold auch eine heilende Wirkung nach. Was ist dran an diesen Behauptungen? Ist Honig wirklich ein Wundermittel oder einfach nur Zucker?
In Deutschland scheint man durchaus Potential in der „Sonne im Glas“ zu sehen, denn wir sind Spitzenreiter was den Honigverbrauch angeht. Pro Jahr verzehrt jeder Deutsche durchschnittlich 1 kg Honig. Ob das nun an den gesunden Eigenschaften liegt oder eher daran, dass Honig sich als feste Größe auf dem Frühstückstisch etabliert hat, sei dahingestellt.

Hat Honig tatsächlich eine heilende Wirkung?

Es kursieren viele Mythen über die Wirkung von Honig. Daher ist es nicht verwunderlich, dass Honig gerne als Hausmittel bei leichten Beschwerden oder als Beauty-Helfer eingesetzt wird. Doch was ist dran an den vielen sagenumwobenen Eigenschaften und wie gesund ist Honig wirklich? Dieser Frage wollen wir uns anhand von vier Mythen nähern:

Honig pflegt Haut und Haar

Viele Kosmetikhersteller setzen auf den Naturwirkstoff Honig. Vor allem das Gelée Royale, mit dem die Bienen ihre Königin ernähren, wird für ein wahres Wundermittel gehalten. Die Bienenkönigin lebt dank dieses Futtersafts 40-mal länger als eine gewöhnliche Arbeitsbiene und legt am Tag bis zu 3000 Eier. Aufgrund der enthaltenen Lipide, Proteine und Aminosäuren soll das Gelée Royale unter anderem die Kollagenbildung unterstützen und somit das Bindegewebe straffen. Doch die natürliche Anti-Aging Substanz ist mit Vorsicht zu genießen: Für Allergiker kann die Verwendung gefährlich sein, besonders betroffen sind Asthmatiker. Auch Menschen, die allergisch auf Bienen- und Wespenstiche reagieren, sollten das Produkt besser meiden. Das rät die Verbraucherzentrale NRW und gibt weiterhin zu bedenken, dass die Wirksamkeit bisher nicht nachgewiesen werden konnte.

Honig hilft gegen Karies

Honig enthält das Enzym Glucoseoxidase, welches zu den Antioxidantien zählt und den Erreger von Karies bekämpft. Nichtsdestotrotz besteht auch Honig zum größten Teil aus Zucker, der den Zahnschmelz angreift. Aufgrund der klebrigen Konsistenz haftet Honig zudem besonders gut an den Zähnen, weshalb Du Dir nach dem Verzehr besser die Zähne putzen solltest.

Honig lässt Wunden schneller heilen

In der Tat konnte nachgewiesen werden, dass Honig die Wundheilung bei Verbrennungen beschleunigt. Sind die oberen Hautschichten betroffen (zum Beispiel bei Verbrennungen zweiten Grades), konnten Honigverbände auch bei Wundinfektionen die Behandlungsdauer im Vergleich zu herkömmlichen Methoden um vier bis fünf Tage verkürzen. In einigen Fällen kann Honig jedoch auch Juckreiz oder Schmerzen verursachen, daher sollte die Therapie unter ärztlicher Aufsicht erfolgen. Zudem wird bei der Wundbehandlung sterilisierter Honig für medizinische Zwecke verwendet. Durch Gammastrahlung werden Keime abgetötet, sodass dieser sogenannte Medihoney auch die Reinheitskriterien eines Medizinprodukts erfüllt und als solches zugelassen ist. Normaler Speisehonig gehört nicht auf offene Wunden, da eine Verunreinigung nicht ausgeschlossen werden kann – auch wenn sich die Keime im Honig nicht vermehren können.

Honig hilft bei Erkältungen

Wer kennt sie nicht, die berühmte heiße Milch mit Honig! Wer erkältet ist oder nicht einschlafen kann, dem wird diese Mischung gern ans Herz gelegt. Kann Honig tatsächlich Beschwerden wie Husten und Halsschmerzen lindern? Eine Studie aus Ottawa spricht dafür: Die kanadischen Forscher berichten, dass Honig bei einer Nasennebenhöhlenentzündung 60 bis 70 Prozent der typischen Bakterien abtötete, während diese für Antibiotika schwer angreifbar waren. In diesem Versuch wurde unter anderem Manuka-Honig eingesetzt, der für seine stark entzündungshemmende und antibakterielle Wirkung bekannt ist. Verantwortlich dafür ist das Enzym Methylglyoxal, das im Manuka-Honig in besonders hoher Konzentration vorliegt. Damit der Honig seine lindernde Wirkung entfalten kann, ist es wichtig, dass er nicht über 40° erhitzt wird – sonst werden die helfenden Enzyme zu einem großen Teil zerstört und der Honig dient nur noch als Süßstoff und Aromageber.

Wir halten also fest: Als Hausmittel leistet Honig gute Dienste – viele Anwender berichten von positiven Erfahrungen und Linderung leichter Beschwerden wie Halsschmerzen. Was zum Teil fehlt, sind wissenschaftlich fundierte Nachweise. Nichtsdestotrotz spricht nichts gegen die Verwendung von Honig als Hausmittel – vorausgesetzt er wird richtig angewendet. Bei starken oder akut auftretenden Beschwerden sollte grundsätzlich ein Arzt konsultiert werden. Doch warum wird Honig überhaupt als Wundermittel gehandelt? Wo kommen die ganzen Mythen her?

Bienen existieren seit ca. 40 Millionen Jahren, wie Forscher anhand von Bernsteinfunden herausgefunden haben. Das Erstaunliche: die im Bernstein eingeschlossenen Bienen unterschieden sich kaum von unseren heutigen Bienenvölkern. Auch der Mensch kam bereits in der Steinzeit auf den süßen Geschmack des Honigs. In der Nähe von Valencia wurde eine Höhlenmalerei entdeckt, die diese Tatsache belegt. Das Motiv zeigt einen „Honigjäger“, der Honig aus einer Baumhöhle schöpft. Im antiken Griechenland sollte Honig den Göttern gar Unsterblichkeit verleihen. Auch Gelehrte wie Hippokrates und Aristoteles berichten von einer gesundheits- und leistungsfördernden Wirkung von Honig. Ägyptens letzte Königin Kleopatra, die noch heute für ihre Schönheit und Anmut bekannt ist, soll ihre Haut mit einem Bad aus Eselsmilch und Honig gepflegt haben.

Dass wir Honig manchmal mehr zutrauen, als er für unsere Gesundheit tun kann, scheint also historisch begründet zu sein. Wie sieht es in der Ernährung aus? Kann Honig hier seinem gesunden Ruf gerecht werden? Um das herauszufinden wollen wir uns den Honig im Vergleich zum Haushaltszucker ein wenig genauer anschauen.

Ist Honig das gesündere Süßungsmittel?

Im Vergleich zu weißem Haushaltszucker hat Honig sicherlich die gesünderen Inhaltsstoffe, da weißer Zucker fast ausschließlich aus Kohlenhydraten besteht. Die Menge gesunder Nährstoffe im Honig ist jedoch im Verhältnis so gering, dass diese für die Deckung des Tagesbedarfs zu vernachlässigen sind. Auch Honig ist also in erster Linie ein Süßungsmittel und birgt bei übermäßigem Verzehr die gleichen Risiken wie weißer Zucker – etwa die Entwicklung eines metabolischen Syndroms, wozu auch Diabetes, Bluthochdruck und Adipositas zählen.

Beim Kalorienverbrauch ist Honig dem Haushaltszucker unterlegen – allerdings auch hier nur knapp. 100g Zucker enthalten 380 kcal, bei Honig sind es 340 kcal. Das liegt vor allem daran, dass Honig zu knapp einem Fünftel aus Wasser besteht. Je nach Sorte und Zusammensetzung kann Honig jedoch süßer als weißer Zucker schmecken und daher sparsamer dosiert werden. Bekannt für seinen süßen Geschmack ist zum Beispiel Akazien- oder Kleeblütenhonig. Andere Sorten wie Waldhonig schmecken eher würzig oder herb.

Was steckt nun aber im Honig, das ihn so viel gesünder als Zucker machen soll?

Honig besteht vor allem aus Zucker – durchschnittlich machen die Kohlenhydrate ca. 80 Prozent des Honigs aus. Ein Vorteil gegenüber Haushaltszucker: Honig besteht überwiegend aus Einfachzuckern, die vom Körper leichter verwertet werden können. Im Gegensatz zu Mehrfachzucker müssen Einfachzucker wie Glucose, Fructose oder Maltose nicht erst aufgespalten werden, um die Energie zu verwerten.

Neben Zucker enthält Honig auch ca. 17 Prozent Wasser. Der Anteil variiert jedoch je nach Sorte und Zusammensetzung – wie übrigens auch die anderen Bestandteile. Das liegt daran, dass die Bienen ihren Blütennektar in der freien Natur sammeln. Bei diesen Sammelflügen können Bienen im Einzelfall eine Strecke von bis zu zehn Kilometern zurücklegen. Eine detailgenaue Kontrolle, welche Inhaltsstoffe in den Honig gelangen, gibt es daher nicht. Dennoch gibt es Indizien für die Qualität eines Honigs. Das Prädikat BIO bekommt zum Beispiel nur Honig aus einem Bienenstock, der im Umkreis von drei Kilometern überwiegend ökologisch unbedenkliche Pflanzen aufweist.

Somit verbleiben drei Prozent für die gesunden Bestandteile und Wirkstoffe im Honig. Dazu zählen neben Kalium, Zink und verschiedenen Aminosäuren auch Vitamin B und C. Eine Übersicht findest Du in der folgenden Abbildung des Deutschen Imkerbundes e.V.

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Genaue Mengenangaben lassen sich unabhängig von der Sorte nicht ermitteln – teilweise variiert die Zusammensetzung des Honigs aus einem Bienenstock sogar von Jahr zu Jahr. Das kann zum Beispiel an der Witterung oder anderen Umwelteinflüssen liegen. Honig ist eben kein industriell gefertigtes Produkt – ein weiterer Vorteil gegenüber Haushaltszucker.

In Deutschland betreiben weniger als ein Prozent der Imker die Honigproduktion erwerbsmäßig, ein Großteil des deutschen Honigs wird von Hobbyimkern mit durchschnittlich sieben Bienenvölkern hergestellt. Das reicht jedoch nicht aus, um den hohen Verbrauch zu decken. Nur ca. ein Fünftel des deutschen Honigbedarfs wird auch hier produziert. Die meisten Honiggläser auf unseren Frühstückstischen sind also Importware. Hier gilt Vorsicht bei industriell verarbeitetem Honig: Um die Haltbarkeit zu verlängern, ist dieser oft pasteurisiert (d.h. er wurde hoch erhitzt, wobei Nährstoffe verloren gehen). Zudem kann Industriehonig genmanipulierte Inhaltsstoffe enthalten, da es sich oft um eine Honigmischung aus verschiedenen Herkunftsländern handelt – der Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen ist jedoch nicht überall reguliert. So konnte die Stiftung Warentest 2017 in acht von 19 getesteten Honigen Pollen von gentechnisch veränderten Pflanzen nachweisen. Die Herkunft und Herstellungsart des Honigs sind also entscheidende Qualitätsmerkmale.

Fazit: Ist Honig ein Wundermittel?

Beliebt als Hausmittel und in Beautyangelegenheiten – schon Kleopatra wusste die pflegende Wirkung von Honig zu schätzen. Die enthaltenen Vitamine und Mineralstoffe wie Calcium, Vitamin C und Folsäure unterstützen das gesunde Image des Honigs. Hier gilt jedoch zu bedenken, dass Honig dennoch zum größten Teil aus Zucker besteht. Die gesundheitsfördernden Inhaltsstoffe machen gerade einmal drei Prozent des Naturprodukts aus. Somit ist Honig also kein Wundermittel, aber sicherlich ein guter Alltagshelfer wenn es um alternative Süßungsmittel oder die Linderung leichter Verletzungen und Beschwerden geht. Vorsicht geboten ist jedoch bei Allergikern, da Honig Blütenpollen enthalten kann. Beim Kauf von Honig solltest Du auf regionale Produkte in Bioqualität setzen. Hier ist der Nährstoffgehalt höher und die Transportwege kürzer als bei pasteurisiertem Importhonig. Zudem unterstützt Du so lokale Imker vor Ort und kannst dein Honigbrötchen zum Frühstück guten Gewissens genießen!


Quellen: 

Verbraucherzentrale NRW (2019, 28. Oktober): Gelée Royale – königliches Anti-Aging? [30.01.2020]
Deutsche Gesellschaft für Krankenhaushygiene (2011, 01. Mai): Honig zur Wundbehandlung [30.01.2020]
Cochrane Österreich: Honig: Hilfe bei der Wundheilung [30.01.2020]
Manuka Honig Neuseeland: Medihoney™ – Medizinischer Honig mit Manuka Honig Basis [30.01.2020]
Ärztezeitung (2008, 30. September): Honig gegen chronische Sinusitis [30.01.2020]
Borst, Hannes: Honig und seine Geschichte; Honigsorten [30.01.2020]
NABU. Giegert, Werner: Mythos Honig: Ein Naturprodukt zwischen Götternahrung und Gentechnik [30.01.2020]
Dr. Vent-Schmidt, Katrain (2018, 12. Juli): Fast alles über Honig > Inhaltsstoffe, Wirkungen [30.01.2020]
Bundesverband der Verbraucherzentralen und Verbraucherverbände - Verbraucherzentrale Bundesverband: Was Bio-Honig von konventionellem Honig unterscheidet [30.01.2020]
Deutscher Imkerbund: Echter Deutscher Honig – Auf den Inhalt kommt es an [30.01.2020]
Ökotest (2017, 19. Oktober): 19 Honige im Test [30.01.2020]

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