Heuschnupfen durch Essen: Das Interview

Vom tapferen Kampf der Heuschnupf-Geplagten haben wir in unserem letzten Beitrag berichtet. Im folgenden Interview erfährst Du nun, welche Rolle Lebensmittel in diesem Zusammenhang spielen. Dabei geht es unter anderem um die Frage, welche Anzeichen auf eine Kreuzallergie hinweisen, wie man sie diagnostizieren kann und welche Behandlungsmöglichkeiten es gibt.

Das Video zum Interview findest Du bei unserem Kooperationspartner Health TV.

Durch das Gespräch führt Suanne Hoffparten, Interview-Partnerin ist Christiane Schäfer, Diplom-Oecotrophologin aus Hamburg.

Susanne von Hopffgarten
Liebe Zuschauer, ein ganz herzliches Willkommen zu einer neuen Ausgabe von Gesund TV. Unser Thema heute „Heuschnupfen durch Essen“ und dazu begrüße ich auf das Herzlichste Christiane Schäfer. Sie sind Oecotrophologin, selbständig in einer allergologischen Praxis hier in Hamburg und wir haben ja um die 16 Prozent in Deutschland, die an Allergien leiden. Grade oft auch durch Pollen ausgelöst, Blütenstaub, bei Gräsern, bis hin eben auch zu Bäumen. Können auch Lebensmittel Allergien auslösen?

Christiane Schäfer
Lebensmittel können auch Allergien auslösen, in dem Kontext sind das sogenannte Kreuzreaktionen, mit denen wir es zu tun haben. Da kann es so sein, dass jemand zum Beispiel auf die Birkenpolle reagiert, die fliegt ja jetzt grade seit November flogen die Haselnusspollen. Dann kann es eben so sein, dass wenn diese Patienten entsprechend die Pollen einatmen und darauf allergisch reagieren, dass dann im Windschatten dieser Polle auch manche Nahrungsmittel Reaktionen auslösen. Das gibt es schon.

Susanne von Hopffgarten
Und grade, wie Sie sagen, ist Hauptzeit, Ihre Praxis ist auf jeden Fall voll. Ich würde da auch mit sitzen, ich hab nämlich auch grad die Birkenallergie aber eben nicht in Kombination. Was genau ist eine Kreuzallergie?

Christiane Schäfer
Eine Kreuzallergie müssen Sie sich vorstellen wie eine Holzperlenkette, also botanisch hat z.B. die Birkenpolle gar nichts mit dem Apfel zu tun aber auf der Molekülebene, das heißt also auf der Eiweiß-Ebene sind die sehr ähnlich, haben die also das gleiche Muster sozusagen an Farbkombinationen und wenn ein Patient jetzt eben auf die Birkenpolle reagiert, dann hat er in seinem Körper bestimmte Antikörper, also bestimmte Reaktionen, die wir messen können, z.B. auf der Haut oder auch im Blut und der Apfel, den er dann zum Beispiel verzehrt, bei Birke ist das Kreuzallergen eben auch in dem Apfel versteckt, in dem rohen Apfel und wenn er das dann essen würde, dann kommt es praktisch wie so zu ’ner Schlüssel-Schloss-Reaktion und damit kann dann auf allen Grenzflächen eine Reaktion passieren, also dass, wenn Sie sehr wahrscheinlich ’n rohen Apfel essen, dann kratzt das sehr wahrscheinlich im Hals oder wenn Sie ’ne Haselnuss essen zum Beispiel oder man fängt eben an zu niesen. Das sind jetzt nicht die Reaktionen, die man sich so vorstellt nach Erdnuss oder von denen man sonst in der Zeitung so liest, das kann in der Regel bei einer solchen Kreuzreaktion auf diese Aero-Allergene, die wir als Thema haben, also Birke, Gräser, Beifuß, nicht passieren aber gleichwohl könnte zum Beispiel jetzt grade, wo wir die vegetarische oder Vegan-Welle haben, jemand der zum Beispiel auf Birkenpollen reagiert und der würde morgens auf den leeren Magen zum Beispiel sowas wie einen Sojadrink verzehren, dann könnte das gleichwohl eben nicht nur solch ein Hautkratzen oder eine dicke Lippe jetzt langläufig mal formuliert, machen, sondern das könnte tatsächlich dann auch zu sogenannten systemischen Reaktionen führen, das heißt, dass er Kribbeln an den Händen, an den Füßen bekommt und vielleicht eben auch Kreislaufreaktionen und deswegen ist es wichtig zu wissen, auf was man reagiert.

Susanne von Hopffgarten
Und kann so eine Kreuzallergie bei mir noch entstehen?

Christiane Schäfer
Das muss man halt schauen, das ist abhängig sozusagen von ihrem Pollenprofil, das heißt also von der Stärke und das hat aber auch ganz viele andere Einflussfaktoren, das heißt also, man schaut, wie ist ihr gesamtes Lifestyle-Ernährungsmuster. Also jemand, der das beispielsweise nicht weiß und eben auch nicht medikamentös oder auch durch seine Grundernährung immer merkt, das kribbelt so ’n bisschen aber macht ja nichts, ich geh dagegen an, da sagt man halt schon, dass diese Patienten sich in eine Allergie hineinessen, deswegen steht bevor man irgendwelche Sachen weglässt oder verdächtigt, steht halt erstmal immer ’ne Diagnose und das denk ich, das ist schon auch wichtig, grade weil natürlich so Heuschnupfen firmiert bei vielen Patienten halt eher als Bagatell-Erkrankung, also dass man das gar nicht so ernst nimmt, nach dem Motto, es kratzt ja nur so ’n bisschen, da schluck ich mal ’n bisschen Wasser hinterher und dann ist das erledigt. So ist es eben nicht, weil wenn es wirklich das Aeor-Allergen ist, dann steckt zum Beispiel bei 85 % der Patienten dahinter auch ein Asthma. Das heißt also, dass eben die Lungen einfach von der Sauerstoffsättigung in der Pollenzeit sich eben auch schlechter darstellen sozusagen, wir können das messen mit entsprechenden Geräten und das ist für Patienten häufig gar nicht so spürbar, sondern die merken halt erst, wenn sie richtig Luftnot bekommen und deswegen kann ich so richtig ja oder nein auf Ihre Frage „Kriegen Sie das oder kriegen Sie das nicht?“, das muss von Patient zu Patient wirklich sauber runterdiagnostiziert werden.

Susanne von Hopffgarten
Ein paar Sachen haben Sie schon angesprochen. Wie reagiert der Körper noch auf so eine Kreuzallergie, wie macht sich das bemerkbar?

Christiane Schäfer
Also grundsätzlich ist, glaub ich, das Einfachste, was man sich immer vorstellt, er reagiert an Grenzflächen. Das heißt also immer organspezifisch. Das, was wir bei Birke halt häufig haben ist, dass wir richtig abfragen können, dass das die Mundschleimhäute betrifft aber das Grundallergen Birke oder die Aero-Allergene würden erst mal den sogenannten Heuschnupfen machen. Das heißt also wir hätten entsprechend Augentränen, zum Beispiel oder Nase laufen, das heißt Nasal-Rhinokonjunktivitis. Wir könnten bei manchen Allergenen aber auch gastrointestinal reagieren, das ist eher untypisch, muss man ganz klar sagen, bei Birke und auch bei Beifuß aber es kann eben bei entsprechend disponierten Patienten trotzdem auch sein. Es ist immer die Grenzfläche und eine Grenzfläche dürfen wir natürlich nicht vergessen, das ist auch die Haut, d. h. auch manche Patienten, die unter einer Neurodermitis-Diagnose stehen, können praktisch auch auf sogenannte Kreuzallergene der Birke auch reagieren und da würde man diätetisch eben intervenieren, um das rauszubekommen.

Susanne von Hopffgarten
Birke, Apfelhaben Sie eben schon genannt. Welche Kreuzallergene und -Allergien sind häufig?

Christiane Schäfer
Also das sind die häufigsten, deswegen fang ich mit denen an, weil es da einfach ganz wichtig ist, früher hat man ganz viel pauschal Verbotslisten gemacht für frischen Apfel und frische Birne und die Kiwi raus und Haselnuss. Das macht man heute eben nicht, Sie sehen schon, das ist so ganz breitgefächert. Das trifft eben nicht nur Stein- und Kernobst, sondern auch manche Exotische, also Feige zum Beispiel oder Kiwi, das gehört auch noch mit in die sogenannten PR-10 Allergene, das benennt eine Proteingruppe, die praktisch den Birkenpollen sehr ähnlich ist und dort schaut man dann eben so wie ist praktisch ihre Aufstellung, wie ist ihr Pollenprofil, also keinesfalls darf das eben darin münden, dass man alles Stein- und Kernobst in rohem Zustand weglässt, sondern man guckt wirklich so, wie ist Ihre Disposition und nimmt nur das raus, von dem man wirklich klar weiß, dass das Ihre Allergie-Reaktion fördern würde und alles Andere lässt man drin, damit der Körper sich eben reibt, damit der sozusagen in eine Toleranz hineingeführt wird, das denk ich, ist ’ne ganz wichtige Botschaft, die jetzt auch, also ich bin lange im Beruf, die man früher anders beraten hat. Früher hat man eher Pauschalverbotslisten also in so ’nem Abreißblock mitgegeben und das würden wir heute keinesfalls mehr machen.

Susanne von Hopffgarten
Wie man damit umgeht, darüber sprechen wir gleich und unsere Kollegen haben sich nämlich auch, liebe Zuschauer, mit dem Thema Heuschnupfen generell beschäftigt. Schauen Sie mal.

Film: Pollenallergie, was tun? Autorin: Monika Härle

Es ist wieder soweit. Das Frühjahr kommt, die Temperaturen steigen. Die ersten Sonnenstrahlen lassen Bäume und Sträucher erblühen, seligst erwartet und doch von Vielen gefürchtet. Mit dem Frühjahr beginnt die Leidenszeit für Allergiker, die auf Blütenpollen reagieren.


Mit dem Windhauch lösen sich winzig kleine Mikrosporen aus den Blütenständen und so sehen sie unter dem Mikroskop aus. In den Pollenmessstationen werden sie in speziellen Fallen gesammelt. Dadurch findet man heraus, welche Pollen in welcher Konzentration durch die Luft getragen werden. Eigentlich sind sie harmlos aber das Immunsystem betrachtet sie als gefährliche Antigene und schon beginnt die Reaktion. Treffen die Antikörper auf das Antigen produzieren sie einen Antikörper, das Immunglobulin E, kurz IgE genannt. Das IgE haftet sich an die sogenannten Mastzellen an. Bei Kontakt mit einem Pollen-Antigen schütten sie sofort entzündungsfördernde Stoffe aus wie Histamine oder Leukotriene. Sie sind es, die jetzt die Schleimhäute reizen, sie zum Anschwellen bringen, denn durch Husten, Tränenfluss, Niesreiz und Schleimproduktion versucht der Körper, die Eindringlinge wieder loszuwerden. Heuschnupfen nennt der Volksmund die Symptome, die genau genommen ein Schutzreflex des Körpers sind.

Medikamente können die allergischen Entzündungsreaktionen hemmen, können die Schleimhäute zum Abschwellen bringen. Sie können also die Symptome lindern aber die Ursache bekämpfen, das können sie nicht. Dazu muss man erst wissen, auf welche Pollenart der Körper allergisch reagiert und das lässt sich über einen sogenannten Prick-Test herausfinden. Dabei werden die Allergene verschiedener Pflanzen auf die Haut geträufelt und in die Haut geritzt. Bereits nach wenigen Minuten weiß man, welche Polle der Übeltäter ist. In einer Blutuntersuchung findet man heraus, welche Antikörper das Immunsystem entwickelt hat. Dieser sogenannte RAS-Test bietet auch die Grundlage für eine zukünftige Therapie, denn nur eine Hyposensibilisierung kann das Immunsystem wieder beruhigen, so dass es auf harmlose Pollen nicht mehr krankhaft reagiert.

Eine Möglichkeit ist die spezifische Immuntherapie. Das allergieauslösende Allergen wird dann drei Jahre lang niedrig dosiert gespritzt. Die Immuntherapie gegen Gräserpollen lässt sich inzwischen schon mit Tabletten oder Tropfen durchführen. Doch die Forschung geht weiter. Eines Tages, so hoffen die Wissenschaftler, wird es einen universellen Impfstoff für alle Allergiker geben. Bis dahin aber ist es noch ein weiter Weg. Und für sensible Menschen ist das nur ein kleiner Trost. Immerhin: dank moderner Arzneimittel können Sie mit kleinen Einschränkungen auch bei Pollenflug die Natur wieder genießen.

Susanne von Hopffgarten
Spannender Beitrag. Frau Schäfer, wir haben gerade zwei diagnostische Möglichkeiten gesehen, einmal auf der Haut und dann die IgE-Antikörper, wie aussagefähig sind die?

Christiane Schäfer
Also jedes für sich gibt sozusagen nur die Empfindsamkeit an und Sie müssen sich das vorstellen, also man muss sozusagen alle Befunde in ’ner Zusammenschau sehen. Es gibt erstmal, das Wichtigste vorneweg, es muss erst mal gefragt werden, wann die Beschwerden sind und welche Ausprägung die haben. Also haben Sie eher Husten oder eher auf der Haut und dann ist es praktisch so, dass das auf der Haut wie eine Schublade ist, wo man praktisch ein, so wie es auch in dem Beitrag gesagt worden ist, erstmal nur ein Ergebnis bekommt, was die Empfindsamkeit, nicht mehr und nicht weniger wird dadurch generiert und ergänzend wird dann praktisch, weil man bestimmte Allergene auf der Haut gar nicht so gut nachweisen kann und andersrum, andere kann man im Blut nicht so gut nachweisen, wird dann praktisch das Ganze ergänzt durch den Labortest, das ist dieser Cap-Test, wo im Film dieses, auch mit diesen Antikörpern, also die sehen aus wie so kleine Ypsilons und die suchen wir dann halt im Blut und bekommen entsprechend einen Wert, der in der Höhe unterschiedlich sein kann. Und dann geht es eben darum, dass praktisch fachärztlich das zusammengebracht wird. Also manchmal ist es tatsächlich so, dass wir Messsysteme haben, die das eben nicht so gut nachweisen können, das wär zum Beispiel bei Soja so, dass wir, wenn wir, einfach nur einen bestimmten großen Sojaextrakt nehmen, diesem Patienten, der vielleicht so einen Sojadrink verzehrt hat, ein Asthma hat und dann beispielsweise eben wirklich erbrochen hat oder ’ne Kreislaufreaktion, dass wir das auf der Haut und im Labor gar nicht nachweisen können und dass wir dann spezifische diagnostische Instrumente einsetzen, um praktisch diesen Verdacht zu erhärten. Also es gehören letztlich so drei ganz große Bausteine dazu, um erstmal zur Diagnose zu kommen und da ist natürlich jetzt aus unserer Sicht ernährungsmedizinisch, oecotrophologisch ist dann einfach wichtig auch im Ernährungsprotokoll zu schauen, was isst der Patient, was ist symptomfrei und wo verzehrt er vielleicht was und schreibt eben hinterher seine Beschwerden auf.

Susanne von Hopffgarten
Und wie kommt es vor allen Dingen zu so einer Kreuzallergie? Wen trifft das denn durch eine falsche Ernährung?

Christiane Schäfer
Nein, ’ne falsche Ernährung nicht, Ernährung ist momentan ja so ’n bisschen der Spielball und der kriegt immer die Schuld für alles. Nö, so würd’ ich das gerne relativieren wollen. Also ’ne falsche Ernährung ist es nicht, es hat viele Gründe. Das erste ist erstmal, dass die meisten Menschen eben genetisch dispositioniert sind, d. h. also sie bringen eine bestimmte Veranlagung mit und wenn ich dann eben ein Aussetzen auf das Allergen habe und das eben auch entsprechend nicht therapiere also vielleicht auch nicht wahrnehme, vielleicht auch gar nicht weiß, dann ist es so, dass dieser immer wiederkehrende Kontakt dazu führt, dass praktisch dann diese IgEs, die wir im Film auch gesehen haben, dass die ansteigen und irgendwann dann auf immunkompetenten Zellen praktisch zu einer Brückenbildung führen, also das, was wir im Beitrag davor gesagt haben, also wie so ’ne Klettbandreaktion, die dann dazu führt, dass zum Beispiel so ein Heuschnupfen oder ein Niesen oder ein rotes Auge sich zeigt.

Susanne von Hopffgarten
Gibt es denn vielleicht auch Pflanzen, die ursprünglich nicht bei uns beheimatet waren, die dann wieder diese Kreuzallergien auslösen können?

Christiane Schäfer
Also das ist momentan in der Diskussion mit dem Traubenkraut, das Ragweed, da hat man eben auch gedacht na ja das ist ein sehr potentes Allergen, weil das in den Atemwegen doch ein sehr starkes Asthma auslösen kann, dass wir auch dort Kreuzreaktionen auf Lebensmittel haben aber das muss man auch so ’n bisschen relativieren, weil wir diesen Zugewinn, diesen Erkenntniszugewinn in der molekularen Allergie-Diagnostik wirklich auch dazu nutzen konnten, dass das zwei verschiedene Erkrankungen sozusagen sind, also dass man dann eher ein Speicherprotein, was mit dem Aero-Allergen, also mit dem, was man einatmet, gar nichts zu tun hat. Also es hat nichts mit giftigen Pflanzen oder dem Einwandern sozusagen zu tun, sondern die Studien und die Datenlage geht eher dahin, dass wir uns ja einfach nicht mehr so gut mit unserer Umwelt auseinandersetzen, auf der einen Seite vielleicht auch durch Umweltgifte, das kann man aber eigentlich gar nicht so stehen lassen.

Susanne von Hopffgarten
Sondern?

Christiane Schäfer
Sondern es hat eher auch mit dem Lifestyle und dem Auseinandersetzen des Immunsystems an sich zu tun, also es gibt eher auch Tendenzen dahin, dass wir den Körper vielleicht auch zu sehr schützen, also Sagrotan-gespült sozusagen.

Susanne von Hopffgarten
Das glaub ich auch, ich hätte mal mehr zu Hause im Dreck spielen müssen und hätte nicht so viele Allergien.

Christiane Schäfer
Das kann man so nicht stehen lassen aber die Tendenz sozusagen ist da hin. Wir haben das gedacht, das ist ja diese Bauernhof-Hypothese von der Frau von Mutius und sie konnte in guten Daten zeigen, dass ein Teil davon sozusagen schon wichtig ist, d. h. was vielleicht die Botschaft für unsere Zuhörer und Zuschauer ist, ist einfach, dass das Auseinandersetzen, dass das so wichtig ist. Dass in einem geschützten Raum wir sozusagen weder zu wenig noch zu viel, sondern die goldene Mitte einfach auch für einen Allergiker wichtig ist.

Susanne von Hopffgarten
Vielleicht noch ein Tipp für die Zuschauer zu Hause, die jetzt an einer Kreuzallergie leiden, müssen die immer auf diese Lebensmittel dann verzichten?

Christiane Schäfer
Das ist wieder so ’ne Frage, die ich jetzt grade, weil uns ja mehrere Menschen zugucken, nicht so pauschal beantworten würde. Es gibt Patienten, wo wir sicherlich sehr viel schärfer intervenieren und wo wir auch großzügiger in den Karenz-Empfehlungen sind, also das heißt, da ist es umfangreicher, was die Patienten meiden müssen, auch außerhalb der Pollenzeit. Also ein Pollenpatient zum Beispiel auf Birke, der eben ein etwas schwerer gradiges Asthma hat und der in der Abfrage schon auf viele Lebensmittel auch reagiert, der wird sicherlich auch außerhalb der Pollenzeit aufgrund dieser auch im Bericht gezeigten Antikörper, die im Blut rumschwimmen, auch außerhalb der Pollenzeit entsprechend Reaktionen zeigen. Der muss sozusagen auch außerhalb der Pollenzeit darauf verzichten, um nicht weiter sich in die Allergie hinein zu essen. Das Gros der Birkenpollen-Patienten, das muss man schon sagen, die sind außerhalb der Pollenzeit wesentlich freier in ihrer Auswahl und können da auch, und das ist auch sinnvoll, das zu tun, das Konsum-Schlaraffenland Deutschland wirklich dann auch in guter Auswahl von Gemüse und Obst auch besser nutzen.

Susanne von Hopffgarten
Dass was sich jetzt viele Zuschauer fragen werden, die Birkenzeit steht an, ich bin allergisch, geh zum Arzt, zahlt das die Kasse?

Christiane Schäfer
Das zahlt die Kasse, wenn es ein Facharzt ist mit einer entsprechenden Ausbildung. Genau, also wo die Zuschauer drauf schauen sollten, ist eben diese Facharztausbildung, weil allergologische Testungen gibt es viele aber diese Hauttestung, die wir gesehen haben und auch diese Bluttestung sind eine Kassenleistung und sollten auch von solchen Fachärzten durchgeführt werden, die dann, wenn es auffällig ist, also eine solche Empfindsamkeit nachgewiesen wurde, wie wir sie gesehen haben, dann eben auch entsprechend therapiert werden kann, denn das ist ja Sinn und Zweck, warum wir das tun.

Susanne von Hopffgarten
Therapie - sprechen wir natürlich gleich noch davon, wie professionell können denn andere Stellen beraten, also zum einen. Ist der Gang zum Arzt immer empfehlenswert?

Christiane Schäfer
Der Gang zum Facharzt ist empfehlenswert. Das muss man halt sagen in unserem heutigen Gesundheitssystem. Der Gang zum Facharzt auf jeden Fall mit der entsprechenden Fortbildung und wenn das rauskommt, dass auch Nahrungsmittel betroffen sind, dann ist es eben genauso wichtig, auch dort fachkompetente Hilfe in Anspruch zu nehmen, weil es eben doch der Begriff „Ernährungsberatung“ ist ja nicht zertifiziert, d. h. also da wär‘s immer sinnvoll, dass die Zuschauer sich z. B. an den Deutschen Allergie- und Asthmabund wenden, dort haben sich KollegInnen listen lassen, die auch kontrolliert werden. Das heißt also, die auch regelmäßig an ’ner Fortbildung in diesem allergologischen Bereich sich unterziehen und nicht einer Selbstauskunft. Das ist das, was wir leider eben häufigauch in der Schwerpunktpraxis sehen und ich unterrichte ja auch, dass da eben am Markt vieles ist, ich sag immer „Wer Wasser kochen kann, der kann heute auch was zur Ernährung sagen.“ und das ist natürlich für einen Patienten, der allergisch ist, wäre das schon fatal, wenn er da in falsche Hände gerät, weil sich eben so viel getan hat. Also die Therapie heute ist eine ganz andere und wenn diese Kräfte zertifiziert sind, dann ist es praktisch auch so, dass das von den Kassen anteilig übernommen wird.

Susanne von Hopffgarten
Welche Therapie ist denn heute die neueste?

Christiane Schäfer
Also insgesamt muss man sagen, es gibt nicht die Therapie, sondern es gibt drei Säulen. Wir haben gesehen, die entsprechende medikamentöse Therapie, d. h. also Anti-Histaminika, ein Asthma-Patient wird ein entsprechendes Medikament für seine Lungen bekommen, dass eine gute Atmung möglich ist, ein Hautpatient wird entsprechend auch Pflegemittel dort bekommen. Da gibt es Verschiedene. Das ist sozusagen die medikamentöse Säule. Dann gibt es die Säule der Hyposensibilisierung aber die wichtigste Säule und das darf man bei allem nicht vergessen, ist eben die Karenz, das heißt wirklich, dass auf das Allergen runtergeschnittene Profil, das darf der Patient, das soll er nicht oder das braucht er vielleicht nur anders zubereiten. Beim Apfel, der sich hier durch die Sendung zieht, wär’s zum Beispiel eben so, dass ein gekochter Apfel auf jeden Fall verträglich ist und da z. B. aber eine Fehlerquelle ein Smoothie wäre. Ein Smoothie kann roh sein, ein Smoothie kann aber auch erhitzt sein und wenn der Patient das nicht weiß, dann ist das eine ganz große Stolperfalle.

Susanne von Hopffgarten
Ich muss sagen, ich war damals recht verzweifelt und hab nicht nur die Desensibilisierung gemacht, sondern auch auf Alternativen gesetzt. Was halten Sie von Akkupunktur bis Hypnose?

Christiane Schäfer
Also Akkupunktur ist ganz klar im Allergologischen, da gibt es gute Daten, das kann man sicherlich auch versuchen. Das ist auch eine Leistung, die von manchen Kassen übernommen wird. Alles andere, was wir an Testmethoden haben, muss man sagen, dafür gibt es auch entsprechende Leitlinien, sind sehr, sehr umstritten und wenn man sauber in die Daten guckt, dann wird diesen Patienten dadurch nicht geholfen, weil das Therapie-Schema eigentlich eher dem Würfeln entspricht. Das ist immer ’n bisschen heikel, das mit Patienten zu diskutieren, weil sie diese Leistung häufig selbst bezahlen müssen, sie haben viel Geld dort hingelegt, das Messverfahren ist auf jeden Fall in Ordnung aber es wär eben fehlerhaft, darauf dann eine Therapie zu gründen, weil das ist ja unser Sinn und Zweck, wenn wir eine saubere Diagnose haben und das entsprechend rausgearbeitet haben, dann konnten wir ja an ganz vielen Daten zeigen, dass über so ’ne Hypersensibilisierung, über eine medikamentöse Einstellung und ’ne Karenzempfehlung diese Patienten nach drei, vier Jahren einfach weniger allergisch reagieren.

Susanne von Hopffgarten
Bei mir hat damals diese Hyposensibilisierung nicht geholfen, das war aber auch schon vor zehn, fünfzehn Jahren. Ich werd’ jetzt im Herbst ’ne neue machen, so wurde mir das auch empfohlen. Was gibt’s da an Neuheiten?

Christiane Schäfer
Also die Neuheit ist vor allem genau das, was Sie ansprechen, dass wir früher nicht genau wussten, was sozusagen denn eigentlich das auslösende Allergen ist und im Zuge der letzten eigentlich vier bis fünf Jahre ist es so, dass wir über diese molekulare Allergiediagnostik einen wahnsinnigen Erkenntniszugewinn haben, d. h. wir können heute klar sagen, was sozusagen aus dieser Birkensuppe, nenn ich das jetzt mal oder aus der Gräsersuppe, was Sie da ärgert und es wird praktisch nur das genommen, wo wir klar sagen können und darauf reagieren Sie klinisch relevant. Und das war vor zehn, fünfzehn Jahren eben nicht der Fall und deswegen gab es eben auch manche Patienten, die unter einer Hyposensibilisierung sozusagen dann eigentlich sogar noch schlechter geworden ist. Die Daten sind heute genau invers, d. h. wenn wir diese ganzen diagnostischen Maßnahmen sauber durchführen, dann haben wir hinterher eine gute Chance, in manchen Allergen-Profilen, das gilt auch nicht für alle aber in manchen Allergen-Profilen eben tatsächlich hinterher ’n guten Benefit zu haben.

Susanne von Hopffgarten
Klasse, also Sie machen uns auf jeden Fall damit Hoffnungen. Meine Allergie hat sich auch verändert. Verwachsen sich auch Kreuzallergien?

Christiane Schäfer
Verwachsen nicht aber es ist natürlich schon so, dass entsprechende Maßnahmen, wie wir sie jetzt besprochen haben, Karenz-Empfehlung, dazu führen, dass sich Ihr Allergie-Profil erstmal minimiert und ihr Immunsystem sozusagen die Immun-Kompetenz wieder bekommt. Die Allergiker sind ja nicht immunschwach, sondern sie reagieren überschießend auf einen harmlosen Stoff eigentlich und dadurch verwachsen sie sich nicht, also sie bleiben sozusagen genetisch bereit, auch mal allergisch zu reagieren aber wenn wir den Lifestyle und wenn wir die Ernährung und wenn wir entsprechend das Drumherum so aufbauen, dann kann ihr Körper wieder lernen, sozusagen kompetenter mit diesen Allergenen, mit diesen eigentlich harmlosen Substanzen umzugehen.

Susanne von Hopffgarten
Wir sind schon wieder am Ende unserer Sendung. Ich danke für Ihre kompetenten Antworten und die neuen Erkenntnisse. Das macht uns auf alle Fälle Mut und Hoffnung und ich sage vielen Dank fürs Zuschauen, liebe Zuschauer, hier bei Gesund TV. Seien Sie das nächste mal wieder mit dabei und wir sagen an dieser Stelle: Tschüss und auf Wiedersehen.

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In unserem nächsten Beitrag beschäftigen wir uns mit dem Thema Asthma. Schau gern vorbei und erfahre mehr.

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