Heuschnupfen - Wie lebt man damit?

Du  möchtest Dir den Beitrag lieber anhören? Sprecherin Rachel Strauch liest ihn hier für Dich vor.  

Wenn alles juckt und munter läuft

Die Nase läuft, der Rachen juckt, die Augen sind verquollen: Frühlingsanfang für Heuschnupfler. Zugegeben, für mich klang Heuschnupfen bisher immer eher harmlos: Ist halt ein Schnupfen, Taschentuch hilft. Nach vielen Gesprächen mit Geplagten weiß ich nun: Harmlos ist nur der Name und von „nur Schnupfen“ kann gar keine Rede sein. Vielmehr gesellen sich zur verstopften, permanent laufenden Nase nicht selten auch Nasenbluten, Beklemmungsfühle durch Atemnot, Lichtempfindlichkeit und vor allem eins: jucken, jucken, jucken. In der Nase, in den Augen und gern auch mal dort, wo niemand je zum kratzen hinkommt: tief unten im Hals. „Das macht Dich wahnsinnig – und Du kannst nichts machen als Dich wilden Fantasien hinzugeben und darüber nachzudenken, ob es wohl möglich wäre, große Zwiebackstücke zu verschlingen, um das elende Jucken zu beseitigen“, erklärte mir dazu eine Freundin. Funktioniert bloß leider nicht. Auch eine Zahnbürste hilft leider nicht weiter: vor der Linderung kommt der Würgereiz.
Natürlich nervt all das nicht nur am Tag, sondern auch nachts. Es schläft sich eben nicht so gut, mit verstopfter Nase und trockenem Hals. Sie müssen schon ganz schön was aushalten, die Heuschnupfen-Geplagten dieser Welt. Erstaunlicherweise zeichnen sie sich dennoch oft durch eine bemerkenswerte, gleichmütig Ruhe aus, die mich ehrlich beeindruckt. „Is halt so“, sagen sie und zucken beschwichtigend mit den Schultern.

Heuschnupfen: Kommt früh und bleibt

Allergiker-Karrieren beginnen oft schon in Kindertagen. Auf der Wiese fangen oder Fußball zu spielen oder im grünen Gras ein Buch anzuschauen, gehört daher auch nicht zu den schönen Kindheitserinnerungen, von denen Heuschnupfen-Geplagte erzählen. Viele erinnern sich eher an Panikgefühle beim Aufwachen, weil man die Augen einfach nicht mehr öffnen kann, verklebt und verkrustet wie sie sind. Da Heuschnupfen leider nicht geheilt werden kann, gewöhnen sich die meisten jedoch irgendwann an die Symptome. „Ich kenn‘s ja nicht anders“, sagen sie und tupfen vorsichtig an der konstant laufenden Nase. Fließschnupfen nennt man das dann und den kann man nicht permanent wegputzen, weil das unweigerlich zu wunden Nasen führt. So stellt sich dann auch von Februar bis Oktober die Frage: putzen oder laufen lassen?

Für mich klingen beide Alternativen bescheiden. Eine wund geputzte Nase scheint mir keine ideale Basis für eine heitere Gemütslage. Den Schnodder einfach laufen zu lassen, stell ich mir aber auch nicht gerade angenehm vor, schon weil die lieben Mitmenschen beim Anblick nicht gerade übersprudeln vor lauter Mitgefühl. „Wie gehst du denn dann mit den erbosten Blicken um?“, fragte ich dazu einen Geplagten. „Da muss ich dann eben einfach durch“, sprach er bescheiden und nieste auch schon drauf los. Vier bis fünf mal hintereinander, wie immer eben. Na das macht ja Laune, denk ich mir da. Besonders mit Maske beim Einkaufen. Wer mitten in der Pandemie hustet, niest und röchelt, macht sich sicher keine Freunde. „Und wie gehst Du damit um?“ fragte ich nach der Erzählung eines Betroffenen ehrlich bestürzt. „Ich atme dann einfach nicht so viel“, war die achselzuckende Antwort.

Urlaub im Keller – und was sonst noch hilft

Wie lange die Symptome alle Jahre wieder dauern, variiert erheblich. Mit ein wenig Glück sind es nur ein paar Wochen, mit viel Pech hat man fast das ganze Jahr über keine Ruhe – je nachdem, welche Pollen oder Gräser die allergische Reaktion auslösen. Das gilt auch für den Herbst: begeistert durch einen Laubhaufen sieht man keine Heuschnupfler rennen, denn auch hier verstecken sich Pollen, die dadurch aufgewirbelt werden. Urlaubsziele werden nach Möglichkeit in Gegenden gebucht, die eher steinige Landschaften aufweisen, am liebsten irgendwo am Meer. Generell ist Wasser ein guter Freund aller Heuschnupfen-Geplagten, weil es gegen den quälenden Juckreiz hilft, mit dem sie ständig kämpfen müssen. „Das ist dann aber wie bei einem Mückenstich: Wenn Du anfängst, die Augen zu reiben, hast Du verloren, weil‘s einfach noch viel schlimmer wird. Da hilft dann nur noch: Kopf unter Wasser und dabei die Augen offen lassen.“ Wer dazu keine Möglichkeit hat, kann nur noch auf Regen hoffen, alles andere wird schnell zur Qual: „Wenn‘s trocken und windig ist, kannst Du gleich in den Keller gehen – und da bis zum Herbst bleiben“, sagte mir dazu eine Befragte und die anderen nickten zustimmend.

Heuschnupfen: Nichts tun ist nicht gut

Die sanftmütig-akzeptierende Grundeinstellung vieler Allergiker beeindruckt mich ehrlich. Dass sie nötig ist, sehe ich ein, manchmal wird sie allerdings zum Problem. Dann nämlich, wenn sie sich derart an ihre Beschwerden gewöhnt haben, dass sie sich nicht mehr ärztlich untersuchen lassen. So besteht beim Heuschnupfen leider immer die Gefahr, ein allergisches Asthma zu entwickeln und nicht selten ergänzen Kreuzallergien das Bouquet der Lästigkeiten. Dann kribbeln die Hände und Füße plötzlich beim Verzehr von Äpfeln, Soja oder Erbsen. „Ist schon nicht so schlimm“, denken die meisten dann, kümmern sich nicht weiter drum und irren sich damit. Nur, wenn Du weißt, worauf Du allergisch reagierst, kannst Du was dagegen tun. Da ist‘s bei den Allergien wie bei den Menschen: Die Ursache der Qual kann man nicht bekämpfen, aber den Kontakt vermeiden, um sich wohlzufühlen.

Ich weiß natürlich sehr gut, dass viele Gründe gegen einen Arztbesuch sprechen. Zeitmangel ist einer davon. Es gibt Schöneres, als stundenlang im Wartezimmer zu harren und am besten noch Urlaub dafür zu nehmen. Da habe ich eine gute Nachricht: muss man auch nicht mehr. Um herauszufinden, welche Medikamente die Beschwerden lindern können und sie sich direkt verschreiben zu lassen, musst Du nicht mehr in die Praxis gehen. Mach‘ einfach einen Termin für eine Videosprechstunde und besprich mit dem Arzt, ob weitere Tests oder Behandlungen und damit ein Besuch in der Praxis nötig sind. Ein Rezept kannst Du online erhalten, eine Krankschreibung sowieso. Also raff‘ Dich auf und mach‘ Deinen Termin online und in Ruhe von zu Hause, wo gar nichts fliegt, um Dich zu quälen.

Nahrungsmittel spielen bei Allergikern eine große Rolle. Wenn Du mehr darüber erfahren möchtest, schau gern am Mittwoch wieder vorbei. Dann erfährst Du, wie Deine Ernährung Heuschnupfen begünstigen kann.

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