Durchfall: Was Du wissen solltest

Oh Diarrhö: Was ist Durchfall und wie lange ist normal?

Wer innerhalb von 24 Stunden mindestens drei mal zur Toilette eilt und dabei sehr weichen bis flüssigen Stuhl produziert, hat ganz offensichtlich (und per Definition) Durchfall, der meist das Symptom einer anderen Erkrankung ist. In vielen Fällen handelt es sich dabei um eine Magen-Darm-Infektion (Gastroenteritis) - und die kommt i.d.R. recht plötzlich, inklusive schwallartigem Erbrechen und heftigem Durchfall, der oft von Bauchschmerzen, Blähungen und Bauchkrämpfen begleitet wird. Gelegentlich gesellen sich auch Kopf-, und Gliederschmerzen sowie Fieber als weitere quälende Symptome hinzu. Abhängig davon, wie lange er bleibt, unterscheidet man folgende Formen:

  • akuter Durchfall: Dauert einige Tage bis 1 Woche
  • anhaltender Durchfall: Hält länger als 2 Wochen an
  • chronischer Durchfall: Hält länger als 3-4 Wochen an

Durchfall: Die Ursachen

Durchfall ist häufig das Ergebnis einer Infektion mit einem Erreger, allerdings können auch andere Faktoren ursächlich für Durchfall sein. Welche das sind, schauen wir uns gleich an. Zunächst betrachten wir jedoch die Erreger.

Durchfall verursachende Erreger

  • Viren: Insbesondere Noro- und Rotaviren verursachen Durchfall, sind ansteckend und in Deutschland meldepflichtig. Betroffen sind vor allem kleine Kinder und ältere Menschen.
  • Bakterien, insbesondere:
    • Campylobacter-Erreger: Laut RKI infizieren sich in Deutschland jedes Jahr zwischen 60.000 und 70.000 Menschen mit diesem Bakterium. Die Infektion mit diesem Erreger gilt als die häufigste meldepflichtige bakterielle Infektion in Deutschland und tritt vermehrt im Sommer zur Grillsaison auf: Rohmilch und verunreinigtes Geflügelfleisch sind dabei häufige Infektionsquellen.
    • Salmonellen: Diese Bakterien gelangen über Nahrungsmittel (Eier, Rind-, Schweine, Geflügelfleisch) an ihr Ziel.
    • Listerien: Finden häufig über verunreinigte Wurstwaren oder Salatblätter ihren Weg in unseren Körper.
    • EHEC- oder ETEC-Keime: Sind gefährliche Darmbakterien, die Giftstoffe bilden können.
    • Shigellen, bestimmte Kolibakterien: Verursachen meist auf Reisen den flüssigen Stuhl.
  • Parasiten

Andere Durchfall auslösende Faktoren

Abgesehen von den genannten Erregern können auch die folgenden Faktoren verantwortlich für Durchfall sein:

  • Medikamente, z. B. Antibiotika (zu ihren häufigsten Nebenwirkungen zählt Durchfall), Blutdrucksenker, übermäßig verwendete Abführmittel
  • Nahrungsmittelunverträglichkeiten wie Gluten-, oder Laktoseintoleranz
  • Ungewöhnliche Nahrungsmittel, die man zum Beispiel auf Reisen gern probiert.

Auch Erkrankungen können ursächlich für Durchfall sein. Hierzu zählen:

  • chronisch-entzündliche Darmerkrankungen wie z. B. Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa, das Reizdarm-Syndrom oder Darmkrebs
  • Allergien
  • hormonelle Störungen, die z. B. durch eine Schilddrüsenerkrankung hervorgerufen werden
  • Tumor: Die dadurch bedingte Verengung des Darms führt zu einer sog. paradoxen Diarrhö: Verstopfung und Durchfall wechseln sich dabei ab. 
  • Gestörte Darmflora (heute eher als Darm-Mikrobiom bezeichnet): Das empfindliche Gleichgewicht der Bakterien im Darm ist dabei gestört. Ursächlich dafür ist häufig:
    • Zu viel Zucker
    • Ballaststoffarme Ernährung
    • viel tierisches Fett und Eiweiß
    • viel Zucker
    • Alkohol
    • Nikotin
    • Stress

Schluss mit Durchfall: Behandlung und Diagnose

Wer Durchfall hat, möchte eins ganz sicher nicht: sich aus der unmittelbaren Nähe seiner Toilette entfernen. Das muss man zum Glück meistens auch nicht und kann sich getrost zu Hause auskurieren. Dazu hilft es, die folgenden Punkte zu beachten:

  • Dein Körper verliert durch den Durchfall reichlich Flüssigkeit (bis zu 3 Liter täglich) und Salze, die sogenannten Elektrolyte. Diesen Mangel musst Du ausgleichen und das heißt: Viel trinken (Wasser, ungesüßter Tee). Drei Liter sollten es idealerweise sein. Viele kleine Schlucke über den Tag verteilt führen hierbei gut zum Ziel.
  • Natürliche Darmbakterien in Form von Probiotika können offenbar dabei helfen, die Erkrankungsdauer um einen Tag zu verkürzen. Wichtig auch hier wieder: Viel trinken.
  • Dein Körper braucht seine Reserven jetzt, um gegen den Erreger zu kämpfen. Um das zu unterstützen, solltest Du Dich ausruhen und viel schlafen.
  • Dein Darm ist gereizt und beschäftigt. Achte auch eine schonende Ernährung und vermeide  fettige Speisen, Fruchtsäfte, Limonaden, Kaffe, Alkohol. Auch Salzstangen und Cola sind nicht empfehlenswert. Greif stattdessen lieber zu diesen Lebensmitteln:
    • Reis
    • zarte Haferflocken
    • Bananen
    • Kartoffeln
    • geriebener Apfel
    • Möhren
    • Zwieback
    • Brühe
    • Tee (z. B. aus getrockneten Heidelbeeren)

Elektrolyt-/Glukoselösung zum selber machen

Bei Erwachsenen ist es meist nicht nötig ist, besondere Maßnahmen bei akutem Durchfall zu ergreifen. Bei starkem Durchfall, kleinen Kindern und älteren Menschen sollte der Flüssigkeits- und Elektrolytverlust jedoch mit einer Rehydratationslösung ausgeglichen werden. Diese auch als Elektrolyt-/Glukoselösung bekannte Lösung enthält Mineralstoffe, Salze und Traubenzucker. Einfach das Pulver (aus der Drogerie oder Apotheke) in Wasser auflösen und trinken.

Willst Du lieber nicht nach draußen und Dir trotzdem helfen, kannst Du Dir auch Deine eigene Lösung herstellen. Nimm dazu:

      • 0,5 l abgekochtes Wasser, das Du vermischst mit:
      • ½ TL Salz
      • 5 TL Zucker

oder:

      • 1 l abgekochtes Wasser
      • ¾ TL Salz
      • ein Glas Orangensaft

Immer noch Durchfall: Wann Du zum Arzt musst

Wie gesagt: normalerweise gelingt es dem Otto Normalerwachsenen, seinen Durchfall erfolgreich selbst zu therapieren, in Ruhe von zu Hause und ganz ohne Arzt. Es gibt jedoch auch Fälle, in denen ein Arztbesuch dringend angeraten ist. Dazu musst Du gar nicht vor die Tür gehen: Rechner an, Videosprechstunde buchen und direkt fachärztlichen Rat einholen. Wichtig ist dieser z. B. in folgenden Fällen:

  • Es handelt sich um Kinder und ältere Menschen: Sie sind häufiger betroffen und dehydrieren schneller.
  • bei Anzeichen für eine Austrocknung (Dehydrierung):
    • Der Allgemeinzustand wird schlechter
    • Schnellerer Herzschlag und schnellere Atmung
    • Gesicht, Augen, Wangen sind eingefallen
    • Drückt man die Haut am Arm oder Bauch leicht zusammen, bleibt eine kleine Falte stehen (und wird nicht gleich danach wieder glatt)
    • Großer Durst
    • Benommenheit
    • Dunkler Urin oder gar kein Harndrang
    • Trockener Mund, Lippen, Zunge
    • Muskelkrämpfe und Brustschmerzen (bei älteren Menschen)
  • Sehr starker Durchfall
  • Keine Besserung nach 48 Stunden
  • Beschwerden, die länger als 3 Tage anhalten
  • Starke Schmerzen
  • Hohes Fieber
  • Schwindelgefühl und Kreislaufprobleme: Hinweise, dass der Körper zu viel Flüssigkeit und Salze verloren hat. Hier ist schnelle ärztliche Hilfe nötig.
  • Blutiger Stuhl (rotes oder schwarzes Blut)
  • Durchfall mit Schleimauflagerung
  • Regelmäßige Einnahme von Medikamenten: Es besteht die Gefahr, dass diese nicht mehr vollständig vom Darm aufgenommen werden und darum nicht richtig wirken.
  • Im Rahmen einer (aktuellen oder abgeschlossenen) Antibiotika-Therapie
  • Bei Verdacht auf eine Vergiftung

Diese Fragen stellt Dein Arzt

Nachdem Du Deinen Arzttermin vor Ort oder via Videosprechstunde vereinbart hast, kann Du Dich schon einmal mit den Fragen beschäftigen, die Dir im Arztgespräch gestellt weden:

- Wie kamen die Beschwerden: plötzlich oder allmählich?

- Wie lange und wie oft hast Du Durchfall?

- Wie sieht der Stuhl aus und welche Konsistenz hat er?

- Leidest Du unter weiteren Beschwerden (z. B. Bauchschmerzen, Erbrechen, Fieber)?

- Was hast Du vorher gegessen?

- Warst Du kürzlich im Ausland?

- Welche Medikamente nimmst Du ein?

- Sind bei Dir Allergien oder Unverträglichkeiten bekannt?

- Leidest Du an einer chronischen Erkrankung (z. B. Diabetes)?

Vor dem Durchfall ist nach dem Durchfall

Nach fast einem Jahr Corona haben wir alle hoffentlich Eins gelernt: Es lohnt, Hygieneregeln einzuhalten. Hände waschen, Abstand halten, sauber bleiben - diese Grundregeln gelten nicht allein für Pandemien und Durchfall. Sie sollten immer zu den grundlegenden Verhaltensweisen gehören, an die sich alle halten. Denjenigen, die das tun, möchte ich sagen: Richtig so und danke schön. Und Denjenigen, die wieder nach dem WC-Gang ihre Hände nicht richtig oder gar nicht waschen, kann ich nur raten: Denk mal drüber nach...

Bitte beachte, dass alle Informationen für diesen Beitrag sorgfältig recherchiert wurden, jedoch keine fachärztliche Beratung oder Behandlung ersetzen und nicht dazu genutzt werden dürfen, selbst eine Diagnose zu erstellen oder eine Behandlung zu beginnen. Bitte wende Dich bei Verdacht auf Durchfall (Diarrhoe) oder Fragen zur Therapie und Medikation an einen Arzt. Dazu kannst Du ganz einfach online einen Termin für eine Videosprechstunde bei einem Facharzt oder einen persönlichen Arztbesuch in der Praxis Deiner Wahl buchen.


Quellen: 

Gesund.bund: Durchfall [21.11.2020]
Gesundheitsinformation: Durchfall [21.11.2020]
Internisten im Netz: (2017, 1. August): Wann wird Durchfall gefährlich? [21.11.2020]
Darmflora-Ratgeber: Alarm im Darm: Durchfall [21.11.2020]
TK: Wenn der Darm rebelliert [21.11.2020]
mdr aktuell: Simon, Jörg (2019, 22. November): Durchfall: Wann zum Arzt? [21.11.2020]


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