Corona-Tests: Ein Vergleich

Bevor wir uns genauer ansehen, welche Tests derzeit existieren, was sie nachweisen und wie man die Testergebnisse bewerten kann, steht eine grundsätzliche Frage im Raum:

Sind Corona-Tests sinnvoll?

Hierzu schreibt das RKI: „Testen ist essentieller Bestandteil einer umfassenden Pandemie-Bekämpfungs-Strategie: Gezieltes Testen ermöglicht eine schnelle und präzise Erfassung der Zahl und Verteilung von infizierten Personen in Deutschland. Testen trägt so zu einem aktuelleren und besseren Lagebild bei. Dies ist Grundlage für eine Unterbrechung von Infektionsketten und für einen Schutz vor Überlastung unseres Gesundheitssystems.“

So weit, so nachvollziehbar. Allerdings und fundamental wichtig: Auch ein Test entbindet nicht von der Einhaltung anderer Maßnahmen, wie der AHA+L-Regel. Ganz im Gegenteil: Keine der geltenden Anti-Corona-Maßnahmen reicht allein aus, um sich selbst und andere zu schützen. Sehr schön anschaulich wird das mit dem Schweizer-Käse-Modell der Corona-Maßnahmen. In diesem Modell steht jede Käsescheibe für eine Corona-Maßnahme. Wie bei der Käsescheibe auch, hat jede Maßnahme Löcher an unterschiedlichen Stellen. Das sind die Schwachstellen, durch die das Virus schlüpft. Mit einer Scheibe allein lässt es sich also schon mal nicht aufhalten. Je mehr Maßnahmen wir aber parallel ergreifen, desto geringer ist die Chance, dass wir uns infizieren. Das bedeutet im Gegenschluss aber auch: Je weniger Maßnahmen wir ergreifen, desto löchriger wird unser Maßnahmen-Käse. Und dann haben wir den Salat.

Tests durchzuführen, da stimme ich dem RKI zu, ist eine wichtige Maßnahme im Kampf gegen Corona. Wie alle anderen, hat aber auch sie Löcher. Welche das sind, schauen wir uns noch genauer an. Zunächst stellt sich jedoch die Frage:

Welche Corona-Tests gibt es?

Derzeit werden drei verschiedene Testverfahren angewendet, die in zwei Gruppen eingeteilt werden können:

1. Corona-Tests, die eine akute Infektion nachweisen

PCR-Test

Bei diesem Testverfahren wird das Erbgut des Virus nachgewiesen. Der dazu verwendetete molekulare Test heißt auf deutsch Transkriptase-Polymerase-Kettenreaktion. Die Bezeichnung PCR stammt vom englischen Begriff: polymerase chain reaction.

Der Vorteil: Der Test ist sehr genau.

Die Nachteile:

  • Der Test braucht relativ lange. Erst nach mehr als 24 Stunden liegt das Testergebnis vor (und in diesen 24 Stunden kann ein mit SARS-CoV-2 infizierter Mensch viele andere Menschen anstecken).
  • Die Probe muss tief aus dem Mund-Nasen-Rachenraum entnommen werden. Wird sie falsch entnommen, kann das Testergebnis falsch (negativ) sein. Ganz wichtig zu beachten also: Tief in den Rachen muss der Stab, solange, bis man würgen muss. Das gilt auch für die Nase: Zwar spart man sich den Würgereiz, dafür gilt aber: Wenn's nicht weh tut, war's nicht weit genug.

Antigen-Schnelltest

Dieses Testverfahren weist das Virus nicht direkt nach, aber dessen Proteine.

Die Vorteile:

  • Wie der Name schon vermuten lässt, liegt das Testergebnis schnell vor, genauer gesagt in 10 bis 15 Minuten.
  • Die Handhabung ähnelt einem Schwangerschaftstest und ist entsprechend einfach.
  • Für schnelle Testungen großer Gruppen (z. B. in Schulen, Kitas, Pflegeeinrichtungen) kann die Gefahr von Superspreader-Events verringert werden.

Die Nachteile:

  • Wie beim PCR-Test gilt auch hier: Die Probe muss tief aus dem Mund-Nasen-Rachenraum entnommen werden. Wird sie falsch entnommen, kann das Testergebnis falsch (negativ) sein. Ganz wichtig zu beachten also auch hier: Tief in den Rachen muss der Stab, solange, bis man würgen muss. Das gilt auch für die Nase: Zwar spart man sich den Würgereiz, dafür gilt aber: Wenn's nicht weh tut, war's nicht weit genug.
  • Antigen-Tests sind nicht so genau wie PCR-Tests und das bedeutet: Ein negativer Antigen-Test bedeutet nicht zwangsläufig, dass man nicht infiziert ist (auch wenn die Probe richtig entnommen wurde).

2. Corona-Test, der eine überstandene Infektion nachweist

Antikörper-Test

Antikörper werden vom Körper als Immunreaktion auf eine Infektion gebildet. Den Virus selbst kann dieser Test also nicht nachweisen (und damit auch keine akute Infektion).

Die Vorteile

  • für die Forschung sind die Ergebnisse von Antikörper-Tests sehr aufschlussreich, z. B. um den Grad der Durchseuchung in der Bevölkerung zu ermitteln.

Die Nachteile

  • Der Zeitpunkt ist entscheidend: Es dauert ungefähr 2-3 Wochen, bis der Körper Antikörper gebildet hat.
  • Neben dem Corona-Virus SARS-CoV-2 gibt es weitere Corona-Viren. Vier davon sorgen für klassische Erkältungskrankheiten. Hat man sich mit einem davon infiziert, zeigen fast alle Antikörper-Tests ein falsches positives Ergebnis.
  • Studien (u.a. des RKI) zeigen, dass nicht alle Menschen, die sich infiziert haben, auch Antikörper bilden. Ein negatives Testergebnis bedeutet also nicht immer, dass man nie infiziert war.
  • Bei einigen Patienten verschwinden Studienergebnissen zufolge die Antikörper schon nach wenigen Wochen. Auch hier sagt ein negatives Testergebnis also nicht zwangsläufig aus, dass man nie infiziert war.

(Persönliches) Fazit

Unabhängig von allen erwähnten Vor- und Nachteilen trifft Eins auf alle Tests zu: Sie gelten nur für den Moment, in dem sie durchgeführt werden.
Das bedeutet nicht, dass Corona-Tests sinnlos sind, das muss man aber im Hinterkopf behalten, um sich nicht in einer scheinbaren Sicherheit zu wiegen, die so nicht existiert. So nervig, teilweise nicht nachvollziehbar und belastend die Corona-Maßnahmen für uns alle sind, so klar ist doch auch Eins: Wir wollen alle, dass das ein Ende hat.
Ich persönlich glaube, dass dieses Ende schneller kommt, wenn möglichst viele Menschen möglichst viele Maßnahmen einhalten. Für uns alle gleich können sie aber gar nicht sein, weil wir alle in verschiedenen Welten leben. Wir müssen also wohl oder übel unsere eigene Risiko-Nutzen-Abwägung durchführen. Dass das einfach ist, behauptet niemand. Dass das sinnvoll ist, behaupte ich. Was uns dabei manchmal fehlt aber ungemein helfen kann, ist einfach ein bisschen Vernunft.

In diesem Sinne...bleibt aufmerksam und vor allem: Bleibt gesund!

Bitte beachte, dass alle Informationen für diesen Beitrag sorgfältig recherchiert wurden, jedoch keine fachärztliche Beratung oder Behandlung ersetzen und nicht dazu genutzt werden dürfen, selbst eine Diagnose zu erstellen oder eine Behandlung zu beginnen. Bitte wende Dich dazu an eine Ärztin / einen Arzt (z. B. indem Du einen Termin für eine Videosprechstunde oder für einen persönlichen Arztbesuch in der Praxis buchst).


Quellen: 

RKI (Stand: 2020, 24. November): Nationale Teststrategie – wer wird in Deutschland auf das Vorliegen einer SARS-CoV-2 Infektion getestet? [01.12.2020]
ZDF heute. Böhm, Ella und von Massow, Christoph: Corona-Maßnahmen ohne Wirkung? [01.12.2020]
Zusammen gegen Corona: Informationen zum Testen [01.12.2020]
Quarks. (2020, 16. Oktober): Corona-Test: Wie er funktioniert – und wer getestet wird [01.12.2020]
BR24. (2020, 24. September): SARS-CoV-2-Tests: Antikörper, Antigene, PCR [01.12.2020]
ÄrzteZeitung. (2020, 02. September): Test auf SARS-CoV-2-Antikörper für „zu Hause": Sinnvoll oder nicht? [01.12.2020]
ÄrzteZeitung. (2020, 01. Juli) Bäurle, Anne: Immunität nach Covid-19: Was bisher bekannt ist [01.12.2020]

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