Asthma - Wie lebt man damit?

Du  möchtest Dir den Beitrag lieber anhören? Sprecherin Rachel Strauch liest ihn hier für Dich vor.

Asthma. Gehört haben wir alle schon mal davon. Irgendwo im Freundes- oder Bekanntenkreis gibt es auch sicher jemanden, der es hat. Dass er oder sie einen Inhalator stets dabei hat, ist uns vielleicht auch schon mal aufgefallen, aber wie es sich anfühlt, damit zu leben, wissen wir nicht.

Asthma: wenn atmen kaum noch möglich ist

Um eine Idee davon zu bekommen, stelle man sich einfach vor, die Lunge wäre ein Luftballon. Luft rein pusten, Luft raus lassen – alles kein Problem. Nicht so bei einem Asthma-Anfall. Da ist’s nichts mehr mit locker Luft reinblasen, denn die Luftwege, die zur Lunge führen, sind dabei fast dicht – und das fühlt sich an, als würde man in die Ballon-Öffnung einen Strohhalm stecken, durch den man versucht, genügend Luft hinein zu blasen. Klingt lästig und anstrengend, ist aber noch nicht der üble Teil des Szenarios. Noch viel schwieriger ist es nämlich, die Luft durch besagten Strohhalm wieder heraus zu lassen. Das geht nur sehr, sehr langsam und so bleibt die meiste Luft viel zu lang in der Lunge gefangen. Die Folge sind weitere verzweifelte Einatmungsversuche, die pfeifend darauf hinweisen, dass spätestens jetzt der Griff zum Inhalator notwendig ist.
„Beklemmung“ lautet die deutsche Übersetzung des griechischen Worts Asthma. Das trifft es schon sehr gut, und klingt doch immer noch zu harmlos, scheint es mir, wobei ich mich betroffen frage, wie es wohl sein muss, nachts aufzuwachen, weil man das Gefühl hat, gleich ersticken zu müssen. Beklemmend scheint da noch sehr harmlos ausgedrückt.

Asthma: kommt unverhofft und gern im Schlaf

Hätte sich diese Erkrankung jemand ausgedacht, wäre dieser Jemand wohl sehr zynisch, denn wann genau ein Asthma-Anfall kommt, kann man nicht vorhersagen. Dass er besonders häufig nachts oder am frühen Morgen auftritt, allerdings schon. Da klingt ein harmloses „Schlaf schön“ ja fast schon höhnisch.
Wie lebt man nun aber mit dieser Gewissheit und der permanenten Frage, hinter welcher Ecke der nächste Anfall lauert? Wichtig scheint zunächst, dass man versteht, was Asthma ist und das gilt auch für Freunde, Bekannte und Familie. Um nachzuvollziehen, was ein Asthma-Patient erlebt, ist das folgende Selbstexperiment gut geeignet: Atme einfach ein, danach nicht aus und noch ein paar Mal ein. Irgendwann ist Schluss, die Lunge voll und die Panik groß. So ungefähr fühlt sich das an.

Asthma: nicht heilbar heißt nicht unbehandelbar

Warum so viele Menschen an Asthma erkranken, weiß niemand so ganz genau. Haben andere Familienmitglieder Asthma, stehen die Chancen leider gut, selbst auch eins zu entwickeln. Hat man es nicht und stürzt sich zum Beispiel mit großer Begeisterung in ein Berufsleben im Chemie-Labor, kann eine Asthma-Diagnose das jähe Ende der Begeisterung bedeuten, weil man in diesem Umfeld einfach nie mehr arbeiten kann.
Das ist, gelinde gesagt, sehr unbefriedigend. Weder weiß man, wo es herkommt, noch ist anfangs klar, welche Auslöser es tunlichst zu vermeiden gilt. Das kann man belastend und furchtbar finden, ändern kann man es aber nicht. Asthma zählt eben leider zu den chronischen Erkrankungen und das bedeutet schlichtweg eins: es nicht heilbar.
Diese Tatsache zu akzeptieren, stellt viele Patienten vor eine große Herausforderung, weil das bedeutet, dass man damit leben muss und zwar sein ganzes Leben lang. Wer das begriffen hat und akzeptieren kann, ist die ersten Schritte auf dem richtigen Weg schon gegangen. Wenn ich weiß, womit ich es zu tun habe, kann ich aktiv dagegen steuern. Auch die folgenden drei Strategien helfen dabei, gut mit Asthma zu leben.

1. Auslöser vermeiden:

Hat man die auslösenden Reize einmal identifiziert, sollte man sie natürlich meiden. Das sind bei manchen Menschen Tierhaare, bei anderen Staub, bei allen Stress. Gerade ihn zu vermeiden, stellt einen wichtigen Ansatz dar, denn auf Stress reagiert unser Körper sehr deutlich – unter anderem damit, dass die Atmung beschleunigt wird und das ist so ziemlich das letzte, was ein Asthmatiker gebrauchen kann. Auch übermäßiger Sport kann ein Auslöser sein. Etwas ältere Patienten kennen die Konsequenz daraus: als sie Kinder waren, durften sie gar keinen Sport machen oder sich sonst irgendwie verausgaben. Auch später nicht als Jugendliche beim Tanzen auf einer Party. So schafft man Außenseiter. Heute wird diese drastische Maßnahme zum Glück nicht mehr empfohlen. Sport ist und tut gut, es kommt nur drauf an, sich nicht völlig dabei zu verausgaben.

2. Atemtechnik:

Sie zu erlernen wäre für viele von uns hilfreich, für Asthmatiker kann sie lebensrettend sein, weil sie so durch den Asthma-Anfall helfen kann, dass wenigstens etwas Luft zum Atmen bleibt. Darüber hinaus vermittelt das Erlernen dieser Techniken ein Gefühl der Kontrolle. Nicht mehr hilflos ausgeliefert zu sein, bedeutet einen wichtigen Schritt in ein Leben ohne Angst vor dem nächsten Anfall.

3. Medikamente:

Ob man nun will oder nicht: ohne Medikamente könnten viele Asthmatiker nicht überleben. Sie helfen dabei, die Entzündungsreaktion abzuschwächen und sorgen bei einem Anfall dafür, dass man nicht erstickt. Den Notfall-Inhalator dabei zu haben, ist daher für die meisten Patienten keine Frage. Die regelmäßige Einnahme von Medikamenten auch in Phasen, wo keine Anfälle ein heiteres Leben verdunkeln, dahingegen schon. Passt schon denken dann viele, lassen die Medikamente einfach weg und begehen damit einen großen Fehler. Es geht bei vielen Geplagten einfach nicht ohne. Das zu begreifen, ist besonders für schwer für Menschen, die genug haben vom anders sein, aufpassen müssen, nicht alles machen können. Und das sind besonders häufig junge Erwachsene. Viele von ihnen leiden seit ihrer Kindheit an Asthma und haben Eltern, die sehr genau darauf geachtet haben, dass sie ihre Medikamente regelmäßig nehmen. Kaum sind sie erwachsen, müssen sie diese Aufgabe selbst übernehmen. Tun sie es nicht, riskieren sie nicht nur den nächsten Anfall, sondern im schlimmsten Fall ihr Leben.

Asthma: Lernen, damit zu leben

So weit darf und muss es nicht kommen. Gerade bei Kindern ist es wichtig, ihnen ihre Erkrankung genau zu erklären und zu zeigen, wie man damit umgeht. Dazu gibt es nicht nur spezielle Kureinrichtungen, sondern auch Selbsthilfe-Gruppen und Patienten-Schulungen. Natürlich sind diese Angebote nicht allein auf Kinder und Jugendliche beschränkt. Auch Erwachsene haben zahlreiche Möglichkeiten, sie zu nutzen und sollten dies unbedingt tun. Gerade ältere Menschen leben mitunter schon immer mit Asthma, ohne dass es jemals diagnostiziert oder gar richtig behandelt wurde. Zu erleben, dass man damit nicht allein ist und dass es Wege gibt, auch mit einer Asthma-Erkrankung gut leben zu können, erhöht die Lebensqualität oft entscheidend. Dass man dazu selbst Messungen des Peak-Flows durchführen und in ein Tagebuch eintragen muss, stört diese Menschen dann kaum. Im Gegenteil lässt sich so mit Hilfe eines Ampelsystems schnell erkennen, wann Handlungsbedarf besteht. Sind die Werte schlecht, steht die Ampel auf Rot, dann heißt es: auf in die Arztpraxis. Steht sie auf Gelb, ist Vorsicht geboten. Steht sie auf Grün, ist alles gut und man kann sorgenfrei durch den Tag gehen. So wie das grüne Ampelmännchen aus der DDR, das uns auch heute noch als gern gekauftes Souvenir von zahlreichen Jutebeuteln entgegen schmunzelt und dabei pummelig und fröhlich einfach mal drauf los spaziert.


Quellen: 

https://www.lungenaerzte-im-netz.de/krankheiten/asthma-bronchiale/krankheitsbild/
https://www.youtube.com/watch?v=UBGSOikw7pE

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