Apps, Tablet, Internet – Auch im Alter kein Problem

Du  möchtest Dir den Beitrag lieber anhören? Sprecherin Rachel Strauch liest ihn hier für Dich vor.

Der Wunsch der älteren Menschen, Teil der digitalen Welt zu sein, wird stark unterschätzt. Und wenn man mal tief in sich geht, muss man sich vielleicht eingestehen, dass man den Großeltern oftmals nicht zutraut, etwas Komplexes wie das Internet noch zu verstehen. Mit Aussagen wie “Die sind eben einfach nicht damit aufgewachsen, das werden sie nie verstehen”, wird das eigentliche Interesse der Senior*innen dann abgetan. Dabei macht es vielen Menschen im Ruhestand eigentlich in der Tat Spaß, nochmal etwas Neues zu lernen. Die Zeit dafür haben sie schließlich auch.

Johanna Herrmann gehört bereits zur älteren Generation. Sie ist 91 Jahre alt und lebt in einer eigenen kleinen Wohnung etwas außerhalb von Berlin. Die Wohnung ist Teil eines Komplexes, der ausschließlich für Senior*innen angelegt wurde. Hier hat Johanna sich gemütlich eingerichtet. Sie sitzt auf ihrem roten Sessel, neben ihr auf einem kleinen Beistelltisch liegen ihr Tablet und ihr Smartphone. Johanna ist gern im Internet unterwegs. Sie findet, dass digitale Geräte ihren Alltag erleichtern können und ihr außerdem auch gute Unterhaltung bieten: "Mein Handy und mein Tablet nutze ich mittlerweile täglich für mehrere Stunden. Ich finde es wirklich schade, dass uns älteren Leuten so etwas gar nicht mehr zugetraut wird. Mir macht es Spaß, mich mit digitalen Geräten zu beschäftigen", erklärt die Rentnerin.

Deutschland wird älter

Die Altersstruktur in Deutschland durchlebt aktuell eine rapide Entwicklung. Dem statistischen Bundesamt zur Folge sind im Jahr 2020 bereits 19,5% der Bevölkerung 67 Jahre alt und älter. Die Tendenz steigt – Deutschland ist ein älter werdendes Land. Bereits heute sind die Plätze in Pflegeheimen knapp, vom Pflegekräfte-Mangel ganz zu schweigen. Nichtsdestotrotz müssen wir damit rechnen, dass der Anteil an über 67-Jährigen bis 2030 in Deutschland bereits auf 26,3% angestiegen ist. Was heißt das? Mehr als jede*r vierte Deutsche wird bereits älter als 65 Jahre sein. Durch diese Entwicklung steigt auch die Zahl der auf Pflege angewiesenen Senior*innen. Demzufolge werden bis 2030 zusätzlich rund 130.000 Pflegekräfte in der Langzeitpflege benötigt. Eine immens große Zahl, wenn man bedenkt, dass in den meisten Pflegeeinrichtungen bereits heute händeringend nach Unterstützung gesucht wird. Die Frage, die sich niemand zu stellen wagt: Was wird dannin Zukunft aus den ganzen pflegebedürftigen alten Menschen?

Go digital

Aber es gibt auch gute Nachrichten: Die Internetnutzung der älteren Bevölkerung ist in den letzten Jahren angestiegen. 81% der 60-69-Jährigen sowie 52% der über 70-Jährigen nutzen laut Digitalindex-Studie bereits das Internet - die Tendenz steigt. Was sind Gründe dafür, dass immer mehr Senior*innen den Schritt ins World Wide Web wagen? Die Antwort darauf ist relativ naheliegend: von der Videosprechstunde mit den Ärzt*innen über Online-Einkäufe bis hin zur digitalen Tablettendosierung - immer mehr digitale Tools unterstützen, länger selbstbestimmt leben zu können. Solche digitalen Helfer werden auch in Zukunft eine große Rolle spielen und Fachkräfte in der Pflege entlasten. Schließlich macht die Digitalisierung auch vor dem Alter nicht halt.

So nutzen Senior*innen das Internet

Nach einer Studie des Statistischen Bundesamtes nutzen die Silver Surfer das Internet hauptsächlich, um E-Mails zu schreiben, Nachrichten zu lesen, für Online-Shopping oder um sich über Gesundheitsthemen zu informieren. Johanna Herrmann hat auf ihren mobilen Devices verschiedene Apps installiert. Auf ihrem Tablet nutzt sie beispielsweise unterschiedliche Gedächtnisspiele: “Ich möchte noch lange fit bleiben”, erklärt die Seniorin und lächelt. “Mit meinem Handy fotografiere ich gern. Die Fotos kann ich dann über Whatsapp auch an meine Kinder oder Enkelkinder versenden. So stehe ich täglich mit meiner Familie in Kontakt. Natürlich kann man richtige Zusammentreffen nicht ersetzen, allerdings bietet sich über digitale Dienste eine wirklich schöne Kontakt-Erweiterung”, freut sich die Rentnerin.

Mittlerweile muss ihr Smartphone immer dabei sein:  “damit fühle ich mich einfach sicherer, falls dann doch mal etwas ist, kann ich immer jemanden erreichen”.

Probleme bei der Bedienung fallen mittlerweile nicht mehr an und falls doch mal eine kleine Hürde auftritt, stehen ihre Kinder und Enkelkinder ihr mit Rat und Tat zur Seite. Einen kleinen Wunsch, um das World Wide Web seniorenfreundlicher zu gestalten, hat Johanna Herrmann noch:  “Auf einigen Seiten im Internet werden viele englische Begriffe verwendet. Ich selbst habe leider nie Englisch gelernt und wenn ich immer wieder auf Formulierungen stoße, die ich nicht verstehe, frustriert mich das.”

Erste Schritte im Netz - fit für die Online-Welt

Anders als bei der jüngeren Generation, bestehen bei einigen Senior*innen dennoch Berührungsängste mit dem Internet - besonders groß ist die Unwissenheit bei der Beschaffung der richtigen Technik. Am besten ist es hier, Bekannte oder Familienmitglieder um Unterstützung zu bitten. Diese können beim Kauf eines geeigneten Gerätes und der Entscheidung für den richtigen Internetanschluss beratend zur Seite stehen. Wenn die technischen Voraussetzungen dann gegeben sind, steht den ersten Schritten ins Internet nichts mehr im Weg. Übung macht den Meister – am Anfang kann noch etwas Unterstützung und Einweisung nötig sein, aber keine Sorge: der Umgang mit dem Internet ist schnell gelernt.

                                                                                                                                                                                                                             Wir bedanken uns ganz herzlich bei Johanna für ihre Zeit.


Quellen: 

Statista. Suhr, Frauke (2017): Was Senioren im Internet treiben [29.07.2020]
FAZ.net. Stadlmayer, Franziska; Giesel, Jens (2019): Offline – und abgehängt? [29.07.2020]
Initiative D21 e.V., Dietrich, Sabine (2020): Wie digital ist Deutschland? [28.07.2020]

Jacobs, Klaus et al., Springer, Berlin, Heidelberg (2019): Pflegreport 2019, Mehr Personal in der Langzeitpflege aber wie?

Über den Autor