Die Angst vor Spritzen überwinden

Wenn ein Arzttermin ansteht und eine Spritze oder Injektionen gesetzt werden muss, geht kaum jemand gerne zum Arzt. Bei manchen Patient*innen ist die Angst aber so stark ausgeprägt, dass sie zu einer regelrechten Spritzenphobie, einer Trypanophobie führt.

Betroffene kommen schon bei dem Gedanken an den Arztbesuch ins Schwitzen und werden panisch. Oft werden infolge dessen auch Symptome kleingeredet oder ertragen, um den Arzt nicht aufsuchen zu müssen. Dies kann bei schlimmen Krankheiten lebensgefährlich werden.

In der medizinischen Institution angekommen, kommt es dann bei Patient*innen meist zu Schwindel, Schweißausbrüchen und Blässe bis hin zur Ohnmacht. Durch eine Überreaktion des Körpers sinkt der Blutdruck rapide und der Herzschlag wird verlangsamt. Dies kann unter anderem zu einem Kreislaufkollaps führen.

Auch deswegen solltest Du, wenn Du eine übermäßige Angst vor Injektionen verspürst, Dich auf keinen Fall verstecken, denn Du bist nicht allein!

Bei einer Studie wurden 400 Teilnehmer*innen mittleren Alters befragt, welche eine Impfung erhalten sollten, wie sie sich vor dem Termin fühlten. Davon gaben 21,7 % an sich vor der Behandlung zu fürchten. Bei 8,2 % konnte eine überdurchschnittlich hohe Angst festgestellt werden.

Warum habe ich Angst vor Spritzen?

Die Ursachen liegen meist in der Vergangenheit, zum Beispiel deiner Kindheit. Wenn Du schon einmal schlechte Erfahrungen mit Spritzen und Co. gemacht hast, hat sich daraus vielleicht eine Angst vor Nadeln entwickelt. Wenn sich diese nicht während des Heranwachsens normalisiert oder auflöst, gilt es diese zu bekämpfen. Häufig werden solche Ängste selbst von professionellem medizinischem Personal runtergespielt und als Unfug abgetan, was die Bekämpfung des Problems nicht einfacher gestaltet.

Wir zeigen Dir im Folgenden hilfreiche Tipps und Tricks, wie Du deine Angst vor Spritzen überwinden kannst.

1. Mache Dir bewusst, dass deine Angst unbegründet ist:

Gehe in einem ruhigen Moment logisch und realistisch an Deine Problematik heran, schlüssele Deine Ängste auf und löse sie. Oftmals besteht beispielsweise die Angst, dass die lange Nadel Organe verletzen könnte, dafür ist die Nadel aber viel zu kurz. Viele Ängste, die eine Trypanophobie mit sich bringt, sind unbegründet. Wenn Du das für Dich realisierst, hilft Dir das dabei in heiklen Situationen ruhiger zu bleiben. Mach Dir zudem bewusst, dass die Spritze überlebenswichtig ist und der Schmerz nach kurzer Zeit bereits wieder nachlässt, der Nutzen also größer ist als der kurze Schmerz durch die Spritze.

2. Führe Aufklärungsgespräche und mache auf Deine Angst aufmerksam:

Je mehr man über eine Situation erfährt, desto alltäglicher wird diese. So kannst Du durch das Führen von Aufklärungsgesprächen mit Ärzt*innen im Vorfeld der Behandlung den genauen Ablauf der unbekannten Situation sowie dessen Nutzen erfahren und so Deine Angst vor Spritzen überwinden. Sprich dabei auch Deine Angst vor der Behandlung offen und direkt an, damit die Mediziner wissen, dass sie mit besonderer Vorsicht zu agieren haben. Lass Dir Deine Angst dabei nicht kleinreden. Bleibe stark und mache dem Arzt deutlich, dass es Dir Ernst ist, wenn nötig auch mehrfach. Schließlich leidest Du an einer ärztlich anerkannten Phobie.

3. Automatismen schaffen:

Vor einer Behandlung kreisen Deine Gedanken meist über die Angst vor den bevorstehenden Schmerzen? Du malst Dir Horrorszenarien aus und wirst immer nervöser? Um diese künstliche Stressspirale zu verhindern, kannst Du Dir routinierte Bewegungsabläufe aneignen. So lässt Du Deinem Gehirn keine Zeit Gedanken an mögliche Schmerzen und Ängste zu verlieren. Dies bietet sich beispielsweise bei Diabetikern an, welche sich selbst regelmäßig spritzen müssen. Führe diese Abläufe selbstbewusst und klar strukturiert durch und es wird Dir leichter fallen die Angst vor Spritzen zu überwinden.

4. Vollziehe Atemtechniken oder lenke Dich ab:

Wende spezielle Atemtechniken an, um im Ernstfall nicht in Panik zu verfallen. Atme hierfür langsam durch die Nase ein und halte kurz die Luft an. Atme anschließend langsam durch den Mund aus. Wiederhole diese Prozedur mehrmals am Tag, um Dich an diese Methode zu gewöhnen und ihre Vorteile im Ernstfall zu nutzen.

Gleichermaßen kann Ablenkung hilfreich sein. Bringe Dich während einer Behandlung auf andere Gedanken. Führe mit den behandelnden Ärzt*innen ein Gespräch oder visualisiere vor Deinem inneren Auge einen schönen Ort, welcher einen positiven Einfluss auf Dich hat und Dich beruhigt. Du kannst dabei zum Beispiel an einen Strand, eine Waldlichtung oder ähnliches denken. Auch Musik kann als gute Ablenkung dienen, um die Angst vor Spritzen zu überwinden. Höre während einer Injektion einfach mal Deinen Lieblingssong.

5. Variables Equipment erfragen oder Alternativen suchen:

Bitte die behandelnden Ärzt*innen um eine kleinere Nadel, dies kann die Angst und den Schmerz reduzieren. Manchmal ist die Spritzenphobie jedoch so groß, dass keinerlei Ablenkung, variable Equipment oder ähnliches funktioniert. In diesem Szenario bietet es sich an den zuständigen Arzt nach alternativen Behandlungsarten zu fragen. So können manche Substanzen beispielsweise auch durch die Nase oder sublingual, unter der Zunge platziert, eingenommen werden. Ebenso können bestimmte Stoffe durch eine Impfpistole mithilfe von Druck und ohne Nadel in den Körper injiziert werden.

6. Betäubungscreme und natürliche Schmerzlinderung:

Mithilfe spezieller Cremes lässt sich das von einer Injektion betroffene Körpersegment betäuben, um die Schmerzen zu verringern. Du kannst den Effekt einer Betäubungscreme auch auf natürliche Weise nachstellen. Hierfür wickelst Du eine Hand voll Eiswürfel in ein Tuch und kühlst damit die zu behandelnde Stelle runter. Auch das vorherige Drücken auf den Injektionsort kann dabei helfen die Schmerzen bei einer Spritze zu senken.

7. Bereite Deinen Körper vor:

Damit Dein Blutdruck nicht so rapide abfällt und Du womöglich ohnmächtig wirst, kannst Du Deinen Blutdruck durch progressive Muskelanspannung erhöhen. Spanne dazu einfach langsam alle Deine Muskeln ungefähr 15 Sekunden an und entspanne sie anschließend nach und nach, für ungefähr 30 Sekunden.

8. Orientiere Dich an Vorbildern:

Wenn es Dir möglich ist, kannst Du Dich an Menschen orientieren und Dich von ihnen inspirieren lassen. Entdeckst Du jemanden der einer guten Technik gefunden hat, um seine Angst zu bewältigen, kannst Du Dir eventuell ein paar hilfreiche Kniffe abschauen.

9. Probieren geht über Studieren:

Gerade bei Kindern kann die Angst vor Spritzen sehr intensiv werden und viele Behandlungen deutlich erschweren. Hier kann es helfen, wenn sich Eltern von ihren Kindern unter ärztlicher Aufsicht selbst einen Katheter legen lassen. So gewinnen die Kinder Vertrauen in die Behandlungsaspekt und können ihre Angst vor Spritzen überwinden.

10. Mache eine Therapie:

Hast Du die Tipps ausprobiert und Du schaffst es trotzdem nicht deine Angst vor Spritzen zu überwinden? Dann solltest Du vielleicht über eine Therapie nachdenken, um deine Spritzenphobie behandeln zu lassen. Phobiespezialist*innen können durch eine objektive Blickweise und eine große Expertise in solchen Fällen eine begrüßte Hilfe sein. So können Dir beispielsweise Psychotherapeut*innen mit einer Verhaltenstherapie eine gute Hilfestellung für deine Probleme bieten.

Um die richtige Therapie zu wählen solltest Du zuerst abklären wovor genau Du Angst hast, denn es gibt verschiedene Gründe warum der Anblick einer Spritze einem die Schweißperlen auf die Stirn treibt.

Es gilt zu unterscheiden zwischen:

  • Belanophobie- der Angst vor Nadeln
  • Vaccinophobie- der Angst vor Impfungen
  • Trypanophobie-der Angst vor Injektionen

Doch eine Therapie ist kein Allheilmittel. Auch nach einer Therapie verschwindet die Angst in den meisten Fällen nicht gänzlich. Jedoch kann sie massiv dabei helfen die Phobie abzuschwächen und durch einen bestimmten Umgang besser in den Alltag zu integrieren.

Bitte beachte, dass alle Informationen für diesen Beitrag sorgfältig recherchiert wurden, jedoch keine fachärztliche Beratung oder Behandlung ersetzen und nicht dazu genutzt werden dürfen, selbst eine Diagnose zu erstellen oder eine Behandlung zu beginnen. Bitte wende Dich bei Verdacht auf Asthma oder Fragen zur Therapie und Medikation an einen Arzt. Dazu kannst Du ganz einfach online einen Termin für eine Videosprechstunde bei einem Facharzt oder einen persönlichen Arztbesuch in der Praxis Deiner Wahl buchen.


Quellen: 

Nir, Yael; Paz, Alona; Sabo, Edmond; Potasman, Israel: Fear of Injections in young adults: Prevalence and associations. The American Society of Tropical Medicine and Hygiene, 01.03.2003  [Zugriff am 16.01.2020]
Schienle, Anne; Leutgeb, Verena: Blut-Spritzen-Verletzungsphobie. Hogrefe Verlag GmbH & Co. KG, Göttingen: 2012
wikiHow: Die Angst vor Spritzen überwinden. [Zugriff am 16.01.2020]

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